Robotik-Konferenz in Wien Humanoide Roboter müssen noch viel lernen

Quelle: Pressemitteilung Austria Presse Agentur 3 min Lesedauer

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Industrie- und Lagerarbeiter müssen sich aufgrund von humanoiden Robotern noch keine Angst um ihren Arbeitsplatz machen. Für einen Einsatz etwa in der Fabrik, muss die KI der Humanoiden noch länger trainiert werden, wie Experten auf der Robotik-Konferenz ICRA in Wien betonten. Mittelfristig werden sie aber Teil der Arbeitswelt.

Das Linzer Start-up Iono Robotics stellte „Workmate“ vor.(Bild:  APA/Christoph Schlemmer)
Das Linzer Start-up Iono Robotics stellte „Workmate“ vor.
(Bild: APA/Christoph Schlemmer)

Die weltweit größte Fachkonferenz für Robotik und Automatisierung, die IEEE Internationa Conference on Robotics and Automation (ICRA), hat vom 1. bis 6. Juni 2026 mehr als 8.000 Expertinnen und Experten aus Forschung und Industrie nach Wien gebracht. Neben wissenschaftlichen Vorträgen präsentierten über 140 Unternehmen und Forschungsinstitute ihre neuesten Entwicklungen. Hersteller von humanoiden Robotern zeigten ihre neuesten Modelle.

Rasante Marktentwicklung bis 2035 erwartet

Die Unternehmensberatung Roland Berger prognostiziert „eine industrielle Skalierung“ in den kommenden Jahren. Thomas Kirschstein, Unternehmensberater bei Roland Berger sagte kürzlich zur APA, dass 2035 die im Einsatz befindlichen humanoiden Roboter in einem optimistischen Szenario auf bis zu 50 Millionen steigen könnten.

Bei einem APA-Konferenzrundgang in der Wiener Messe zeigte sich, dass zahlreiche humanoide Roboter noch händisch von Menschen per Joystick gesteuert werden. Die großen chinesischen Hersteller Agibot und Unitree präsentierten bei der Konferenz ihre Roboter, die autonom agieren können und mit Künstlicher Intelligenz (KI) im Einsatz sind. In den USA und Europa sind derzeit noch viele Prototypen in Arbeit, in China hingegen wird bereits die Massenproduktion hochgefahren. Agibot produzierte bis Ende 2025 rund 5.000 humanoide Roboter, Ende März 2026 waren es bereits 10.000. Die Käufer dieser Roboter, etwa Industriekonzerne oder Forschungseinrichtungen, müssen deren KI aber noch selbst für den geplanten Einsatz aufwendig trainieren.

Zahlreiche Roboter werden noch händisch von Menschen gesteuert.(Bild:  APA/Christoph Schlemmer)
Zahlreiche Roboter werden noch händisch von Menschen gesteuert.
(Bild: APA/Christoph Schlemmer)

Agibot konzentriert sich mit den ersten größeren Lieferungen und Einsätzen vor allem auf den chinesischen Markt. Die meisten der bisher ausgelieferten Roboter werden zu Testzwecken in der industrieller Fertigung, der Logistik oder in interaktiven Dienstleistungen eingesetzt, hieß es von Agibot zur APA. Die Expansion in Europa sei noch in einem frühen Stadium. „Für Österreich und den breiteren europäischen Markt suchen wir aktiv den Dialog mit potenziellen Industriepartnern und prüfen gemeinsam mit ihnen Möglichkeiten“, so ein Agibot-Sprecher.

Roboter-Revolution oder teurer Hype?

Durch Fortschritte bei KI und Robotik-Hardware könnten humanoide Systeme perspektivisch zu Betriebskosten von rund zwei US-Dollar pro Stunde arbeiten, erwartet die Unternehmensberatung Roland Berger. „Derzeit sind noch keine produktiven humanoiden Roboter im Einsatz. Industrieunternehmen experimentieren mit isolierten Aufgaben, etwa in der Montage oder in der Logistik“, berichtet Robotik-Experte Kirschstein. Es gibt aber auch kritische Stimmen, die von einem teuren Hype rund um humanoide Roboter warnen.

Ein humanoider Roboter „State of the Art“ aus China kostet derzeit circa 100.000 Euro. In den nächsten Jahren könnte der Preis für diese Modelle auf 20.000 bis 30.000 Euro sinken. „Einen Business Case für humanoide Roboter in Fabriken wird es unserer Einschätzung nach ab 2028 geben“, erwartet Kirschstein.

„Workmate“-Roboter aus Linz

In Europa gibt es rund 20 Start-ups im Bereich der humanoiden Robotik, wie das Linzer Start-up Iono Robotics. Das heimische Unternehmen bezieht einen Teil der Komponenten aus China, der Roboter-Kopf und Sensorikanzug sind aber Eigenentwicklungen. Derzeit testet man den Einsatz, etwa mit heimischen Industrieunternehmen.

Die Robotik-Konferenz in Wien beschäftigte sich neben technologischen Entwicklungen auch mit der Frage, welche Rolle Robotik und Automatisierung künftig für Wirtschaft und Gesellschaft spielen werden.

Die Firmen, die gut automatisieren und innovativ sind, werden langfristig bestehen.

Markus Vincze, Professor an der TU-Wien und ICRA-Kongressvorsitzender

Für Europa werde es immer wichtiger, Produktion, Know-how und technologische Entwicklung im eigenen Wirtschaftsraum zu halten, so Prof. Markus Vincze von der TU Wien. Fix installierte klassische Industrieroboter etwa von ABB, Fanuc oder Kuka übernehmen klar definierte Aufgaben. In modernen Robotiksystemen wird aber KI eingesetzt und die Roboter können flexibel Aufgaben erledigen.

Humanoide Roboter und das Sicherheitsthema

„Gerade wenn Roboter mit Menschen zusammenarbeiten, braucht es zusätzliche Sicherheitsmechanismen“, so Vincze. Mit KI allein könne man heute noch nicht garantieren, dass ein System immer innerhalb sicherer Grenzen agiert.

Außerhalb von Industrieunternehmen soll Robotik später einmal auch Menschen im Alltag unterstützen. „Ich bin überzeugt, dass wir in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren deutlich mehr Robotik im Alltag sehen werden“, erwartet Vincze. „Nicht als Science-Fiction, sondern als praktische Unterstützung im täglichen Leben.“

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