Der Weltlage geschuldet Führendes Stahl- und Schmiede-Know-how hilft der Rüstung

Von Ursula Herrling-Tusch 6 min Lesedauer

Neue Bedrohungsszenarien haben weltweit zu einem Umdenken in Sachen Rüstungsstrategien geführt. Die Nachfrage nach Panzern, klassischen Waffensystemen, Munition und auch neuen Systemen steigt, stellt aber die Rüstungsindustrie vor große Aufgaben. Die SHS-Gruppe verweist angesichts dessen auf ihre drei Unternehmen.

Bild 1: Difender-Panzerstähle von Dillinger zeichnen sich bei der ballistischen Prüfung und beim Kaltkanten durch Bestwerte aus. Rüstungsuntgernehmen greifen deshalb gerne zu. Sie finden sich etwa in den gepanzerten Fahrzeugen Fuchs und GTK Boxer der Bundeswehr.(Bild:  Dillinger)
Bild 1: Difender-Panzerstähle von Dillinger zeichnen sich bei der ballistischen Prüfung und beim Kaltkanten durch Bestwerte aus. Rüstungsuntgernehmen greifen deshalb gerne zu. Sie finden sich etwa in den gepanzerten Fahrzeugen Fuchs und GTK Boxer der Bundeswehr.
(Bild: Dillinger)

Bei den zu ihrer Bewältigung benötigten Stahl- und Schmiedaufgaben vertrauen führende deutsche und internationale Rüstungshersteller auf Vormaterial und Komponenten der drei Unternehmen der SHS-Gruppe (SHS – Stahl-Holding-Saar): Aktiengesellschaft der Dillinger Hüttenwerke, Saarstahl Aktiengesellschaft und Saarschmiede GmbH Freiformschmiede. Die einzigartige Kombination von Stahlherstellung, Grobblech-Walzwerk, Stabwalzwerk und Schmiede unter einem Dach macht das Trio seit Jahren zu gefragten Lieferanten für viele Produkte für den Verteidigungssektor.

Dillinger ist Partner der Bundeswehr

Dillinger liefert seit vielen Jahren von der Bundeswehr nach TL 2350-000 zugelassene Panzerstähle der Marke Difender an die führenden Hersteller von Rad- und Kettenfahrzeugen. Neben der Bundeswehrnorm für die deutschen Hersteller erfüllen diese hochlegierten Vergütungsstähle auch die einschlägigen nationalen und internationalen Normen der Bündnis- und Nato-Partner. Darüber hinaus hat Dillinger für diese Panzerstähle zahlreiche Kunden-, Projekt- und Behördenzulassungen. Heute verkauft das Unternehmen mit Hauptsitz in Dillingen, Saarland, über zehn verschiedene Difender-Güten nach Datenblatt in Dicken von sechs bis 150 Millimetern und in fein abgestuften Härtegraden von 270 bis 600 HBW. Neun dieser Güten sind von der Bundeswehr nach TL 2350-0000 zugelassen, sodass ganze Fahrzeuge mit diesen Güten gebaut werden können und der Bedarf nahezu vollständig abgebildet wird. Dieses Vollsortiment macht Dillinger zum einzigen umfassend zugelassenen Lieferanten in Deutschland. Die Panzerstähle werden sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich gleichwertig eingesetzt. Die an den beiden Produktionsstandorten, Dillingen und Dünkirchen, Frankreich, zugelassene Herstellung der Difender-Stähle gewährleistet hohe Fertigungskapazitäten. Difender-Sicherheitsstähle zählen bei Beschuss und Ansprengung zu den sichersten am Markt, weil sie maximalen Schutz bieten. Exemplarisch hierfür steht Difender 500 als der am häufigsten verwendete und getestete Sicherheitsstahl mit der am Markt einzigartigen Dicke von bis zu 150 Millimetern.

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Der am besten schweißbare Panzerstahl

Bei gleicher Härte und Beschussanforderung kann er in der Regel nachweislich dünner verarbeitet werden. Diese geringere Grenzdicke ermöglicht gewichtsoptimierte Konstruktionen rundum gepanzerter Fahrzeuge für den militärischen oder zivilen Bereich. Dillinger kann die Difender-Panzerstähle außer in den militärischen Standardabmessungen auch in wesentlich größeren Breiten (über drei Meter) und Längen (mehr als 20 Meter) produzieren - für eine verschnittarme und somit kostenoptimierte Produktion auch in kundenspezifischen Wunschmaßen. Diese in Dicke, Breite und Länge maßgeschneiderten Panzerstahlformate leisten als Boden- und Dachbleche für militärische Rad- und Kettenfahrzeuge oder Gebäudepanzerungen in Geschosshöhe einen entscheidenden Beitrag zur Sicherheit. Zugleich erschließen größtmögliche Blechabmessungen bei gleichzeitiger Erfüllung schärfster Ebenheitsanforderungen Konstrukteuren wertvolles Optimierungspotenzial für Systemkomponenten. Unterstützt wird dies durch die herausragenden Verarbeitungseigenschaften der Difender-Panzerstähle. Versuchsreihen namhafter unabhängiger Unternehmen belegen exzellente Werte beim Trennen, Kanten, Fügen und bei der mechanischen Bearbeitung. Beim Kaltkanten ermöglichen die Panzerstähle von Dillinger Grenzradien, die zu den besten am Markt zählen. Bei der Schweißeignung ist Difender der Bester in seiner Klasse.

Sehr komplexe Teile sind möglich

Führend ist Dillinger auch in der fachkundigen Unterstützung bei Fragen zu Materialwahl, Verarbeitung und Umsetzung der Konstruktion. Die mit den spezifischen Anforderungen der Rüstungsindustrie seit vielen Jahren vertrauten Experten der technischen Kundenberatung stehen Konstrukteuren kompetent zur Seite. Gemeinsam wird so das Maximum aus dem Material für die jeweilige Anwendung herausgeholt.

Im engen Austausch mit den Entwicklungsabteilungen aller Fahrzeughersteller für militärische Einsätze betreibt Dillinger gezielte Entwicklungsarbeit, um den steigenden Anforderungen mit neuen, in dieser Form am Markt bislang nicht verfügbaren Werkstoffgüten gerecht zu werden. Beispielhaft für den Schulterschluss mit der Rüstungsindustrie steht die kundenspezifische Entwicklung des Difender 270 für militärische Fahrzeuge ausländischer Abnehmer. Der legierte höchstfeste Vergütungsstahl Difender 600PH eignet sich besonders für Warmumformungsprozesse zur Herstellung von sehr komplexen Bauteilen. Als Europas führender Grobblechhersteller bietet Dillinger diesen Werkstoff in bis zu 25 Millimeter Dicke an.

Auf Kundenwunsch sind auch noch größere Dicken realisierbar - erste Rüstungshersteller haben hieran bereits Interesse bekundet. Auch bei Herstellern von zivilen Anwendungen wie Geldtransporter, Limousinen, Schießstände oder Gebäudeschutz für Botschaften, Banken oder Regierungsgebäude (Türen, Fensterrahmen etc.) sind die fundierte technische Beratung der Experten von Dillinger und die gemeinsame Entwicklung stark gefragt. In beiden Bereichen kommen Difender-Sicherheitsstähle ebenfalls in großem Umfang zum Einsatz. Forschung und Entwicklung auf Basis von tiefem Verständnis metallurgischer Modelle sowie hochentwickelte Fertigungsprozesse machen Dillinger auch für Hersteller von Seefahrzeugen, Fregatten, Korvetten und U-Booten schon lange zum Partner der Wahl. Seit über 30 Jahren hat Dillinger die Zulassung für die U-Boot-Stähle HY-80 und HY-100. Diese druckbeständigen Güten wurden speziell für Druckkörper und Außenhüllen von U-Booten entwickelt und sind von namhaften Kunden zugelassen.

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Komponenten für den Nato-Naval-Sektor

Mit der Saarschmiede ist ein weiteres Unternehmen der SHS-Gruppe außerdem langjährig bewährter Lieferant für U-Boot- und Rüstungshersteller. Als weltweit führender Anbieter von Sonderwerkstoffen, Superlegierungen und großen Anlagenkomponenten sowie als Freiformschmiede von Weltruf setzt die Saarschmiede vielfach unerreichte Maßstäbe. Grundlage dieses Erfolgs sind das breite Anlagenspektrum sowie die ganzheitlichen Fertigungsprozesse vom Schmelzen über das Schmieden und die Wärmebehandlung, zur Ultraschallprüfung bis hin zur Weiterverarbeitung. Technische Beratung sowie Weiterentwicklungen oder Modifikationen in Zusammenarbeit mit den Konstrukteuren der Rüstungsindustrie runden das Portfolio ab. Beispielhaft dafür steht die sehr schwierig herstellbare Edelstahlgüte 1.3964. Eine weltweit führende Rolle nimmt die Saarschmiede auch bei Herstellung und Weiterverarbeitung der Nickel-Chrom-Superlegierungen Inconel 600 und Inconel 625 aus einer Hand ein. Als zugelassener Lieferant beliefert sie nichtdeutsche Nato-Unternehmen mit Großkomponenten aus diesen Legierungen. Aus Inconel 600 fertigt die Saarschmiede großformatige Druckgefäße, die die nuklearen Antriebe der Kriegsschiffe umhüllen. Aufgrund der erforderlichen Bauteilgrößen genießt die Völklinger Schmiede nahezu Alleinstellung. Basis dieser exponierten Rolle sind ihre entsprechend großen, weltweit einzigartigen Schmiedeaggregate. Während früher die Hüllen nuklearer Antriebe aus Nickelblech gewalzt und mittels Schweißnaht geschlossen wurden, schmiedet die Saarschmiede die riesigen Druckgefäße heute als nahtlose Bauteile. Auch bei den etwas kleineren Hüllen der Druckgefäße für nukleare U-Boot-Antriebe sind die nahtlos geschmiedeten Bauteile der Saarschmiede nahezu konkurrenzlos.

Dekarbonisierter Stahl ist gefragt

Die Muttergesellschaft der Saarschmiede, Saarstahl, zählt mit ihren Standorten in Völklingen, Burbach und Neunkirchen weltweit zu den bedeutendsten Herstellern von Langprodukten aus Stahl für eine Vielzahl an Schlüsselbranchen. Namhafte Rüstungshersteller vertrauen auf diese Kompetenz bei der Bereitstellung von Vormaterialien für Großkaliber-, Mittelkaliber-, Mörser- und Infanteriemunition. So produziert Saarstahl für Nato-Geschosse aus den Werkstoffen 42CrMo4 und 30 CrNiMo8 Kurzstücke mit 135, 158 oder 160 Millimeter Durchmesser sowie in 600 oder 700 Millimeter Länge. Auf Wunsch sind auch andere Güten und möglich. Das Vormaterial wird von dem französischen Tochterunternehmen Saarstahl Ascoval mit Sitz in Saint-Saulve aus 100 Prozent recyceltem Stahl im Elektrolichtbogenofenprozess (EAF) hergestellt. Verglichen mit herkömmlichem Stahl, der aus den Rohmaterialien Eisenerz und Kohle in einer Hochofenroute mit Sauerstoffkonverter entsteht, reduziert dieses Herstellungsverfahren die CO₂-Emissionen um bis zu 70 Prozent.

Die Nachfrage der Rüstungsindustrie nach diesem dekarbonisierten Stahl für Munition ist hoch. In den Saarstahl-Werken in Völklingen und Nauweiler wird der zu Knüppeln gegossene „grüne“ Stahl gewalzt und weiterverarbeitet. Die Fertigung der Vorprodukte für die Rüstungshersteller erfolgt dabei kundenspezifisch – entweder im Schmiedeprozess oder durch mechanisches Pressen, aber auch durch Fräsen aus dem Langprodukt. Aus Stabstahl der Güte 42CrMo4 wird beispielsweise das Vorprodukt für die Hülle des Nato-Geschosses 155 Millimeter Großkaliber mechanisch gepresst. Namhafte Großhersteller haben dieses Produkt von Saarstahl zugelassen und im Rahmen von Serienaufträgen bestellt. Weitere Einsatzgebiete der speziell für die Rüstungsindustrie weiterentwickelten Stabstahlqualitäten von Saarstahl sind etwa Vorprodukte für Gewehrläufe sowie Bolzen für die Kettensysteme von Panzern und gepanzerten Fahrzeugen. (pk)

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