Österreichisches Know-how für EU-Projekt KI-Assistenzsystem für die Produktion der Zukunft

Quelle: Pressemitteilung Viewpointsystem 3 min Lesedauer

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Viewpointsystem und Fill bringen österreichisches Know-how in das mit 6 Millionen Euro geförderte EU-Projekt „Manufactor“ ein. Gemeinsam mit europäischen Partnern entwickeln und testen sie ein intelligentes Assistenzsystem, das Einarbeitungszeiten und Fertigungsfehler reduzieren soll.

Das KI-Assistenzsystem soll situationsgerecht unterstützen, Einarbeitungszeiten verkürzen sowie Fertigungsfehler reduzieren.(Bild:  Fill)
Das KI-Assistenzsystem soll situationsgerecht unterstützen, Einarbeitungszeiten verkürzen sowie Fertigungsfehler reduzieren.
(Bild: Fill)

Die europäische Fertigungsindustrie steht vor großen Herausforderungen: Fachkräfte und ihr Know-how werden zunehmend knapp, gleichzeitig steigt die Komplexität der Produktionsprozesse. Neue Mitarbeitende müssen schnell für anspruchsvolle Aufgaben qualifiziert werden. Zugleich gilt es, körperliche und mentale Belastungen zu reduzieren und Fertigungsfehler zu vermeiden.

Das EU-Projekt Manufactor will diesen Herausforderungen mit einem intelligenten Assistenzsystem begegnen, das seine Unterstützung in Echtzeit an die jeweilige Situation der Mitarbeitenden anpasst. Dafür führt das Projekt Technologien zusammen, die bislang weitgehend getrennt voneinander eingesetzt wurden: tragbare Sensoren, XR-Brillen, Eye Tracking, 3D-Bildsensoren, KI-Agenten und einen Human Digital Twin. Zusammen liefern sie Informationen über die körperliche und kognitive Situation der Mitarbeitenden und ermöglichen eine situationsgerechte Unterstützung direkt am Arbeitsplatz. Im Mittelpunkt stehen dabei der Mensch und die Frage, wie Technologie ihn bei seiner Arbeit bestmöglich unterstützen kann.

Das dreijährige Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird im Rahmen des EU-Innovationsprogramms Horizon Europe gefördert und bringt 14 Forschungs-, Technologie- und Industriepartner aus acht europäischen Ländern zusammen. Das Gesamtbudget beträgt 6 Millionen Euro. Die entwickelten Technologien werden im Projektverlauf in realen industriellen Umgebungen getestet und weiterentwickelt.

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Mit Eye-Tracking zum „Human Digital Twin“

Mit dem Wiener Deep-Tech-Unternehmen Viewpointsystem als Technologiepartner und dem oberösterreichischen Maschinen- und Anlagenbauer Fill als industriellem Pilotpartner sind zwei österreichische Unternehmen an Manufactor beteiligt.

Viewpointsystem entwickelt auf Basis der bestehenden „VPS Next“ eine XR-Brille mit Eye Tracking, die Aufschluss über die Aufmerksamkeit und kognitive Belastung von Mitarbeitenden bei komplexen industriellen Aufgaben geben soll. Das Unternehmen ist damit einer von vier zentralen Technologiepartnern von Manufactor.

Die Eye-Tracking- und Kameradaten der Brille werden im Projektverlauf mit weiteren Sensordaten zusammengeführt. Daraus entsteht ein Echtzeitbild der körperlichen und kognitiven Situation des Mitarbeitenden, ein sogenannter „Human Digital Twin“. KI-Agenten nutzen diese Informationen, um die Unterstützung an die jeweilige Situation anzupassen, etwa durch Audioanweisungen oder direkt in der XR-Brille eingeblendete Informationen.

„Wirklich adaptive Unterstützung beginnt damit, den Menschen hinter der Aufgabe zu verstehen. Eye Tracking gibt uns in Echtzeit Aufschluss über die Aufmerksamkeit und kognitive Belastung eines Menschen“, erklärt Frank Linsenmaier, CTO von Viewpointsystem. „Auf dieser Grundlage kann KI ihre Unterstützung an die Person und die jeweilige Situation anpassen und damit über eine reine Automatisierung von Assistenz hinausgehen.“

Effizienter Lernen mit adaptiver, KI-gestützte Assistenz

Bei Fill werden die Manufactor-Technologien in der unternehmenseigenen Next World Factory, einem innovativen Ausbildungs- und Lernzentrum, getestet. Dort erwerben Lehrlinge und bereits im Beruf stehende Mitarbeitende neue Kompetenzen für technische Berufsbilder, die sich durch die Digitalisierung zunehmend verändern: Mechanik, Elektronik und Software greifen stärker ineinander, gleichzeitig gewinnen neue Technologien an Bedeutung, von cloudbasierten KI-Anwendungen bis hin zu additiven Fertigungsverfahren. Im Pilotprojekt soll untersucht werden, wie adaptive, KI-gestützte Assistenz den Kompetenzerwerb beschleunigen und die sichere Anwendung im Arbeitsalltag unterstützen kann.

„Fachkräftemangel und zunehmend komplexe Technologien erfordern neue Ansätze in der Aus- und Weiterbildung“, sagt Dr. Martin Muik, Forschung und Entwicklung bei Fill. „In unserer Next World Factory vermitteln wir technische und digitale Kompetenzen und ermöglichen den Blick über einzelne Fachgebiete hinaus. Mit Manufactor wollen wir erproben, wie intelligente Assistenz das Lernen individueller, effizienter und motivierender gestalten und Menschen dabei unterstützen kann, ihr Potenzial bestmöglich zu entfalten.“

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Kürzere Einarbeitungszeiten, weniger Fehler, geringere Belastung

Manufactor will die Einarbeitungszeiten um mehr als 35 Prozent und Fertigungsfehler um 20 Prozent reduzieren. Gleichzeitig soll das Vertrauen der Mitarbeitenden in die eigenen Fähigkeiten um mehr als 20 Prozent steigen und die körperliche und mentale Belastung sinken. Neben dem Pilotprojekt bei Fill wird das Assistenzsystem auch bei Volkswagen Autoeuropa in Portugal und Hitachi Energy in Schweden getestet und weiterentwickelt. Zwei Learning Factories ergänzen die industriellen Piloten.

Bis zum Ende des Projekts soll so ein in relevanten Einsatzumgebungen validierter Prototyp des Assistenzsystems entstehen (Technology Readiness Level 5–6). Bei der Entwicklung werden die Anforderungen des EU AI Act und der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) berücksichtigt.

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