Die Maschinenfabrik Berthold Hermle hat sich im Jahresverlauf 2024 trotz sehr schwieriger gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen bisher gut behauptet, wie man erfährt.
Der Zerspanungsmaschinenbauer Berthold Hermle aus Gosheim blickt hier auf die vergangenen Monate 2024 zurück. Das Umfeld ist alles andere als gut, doch man konnte sich gut durch die konjunkturellen Wogen und Flauten lavieren.
(Bild: Berthold Hermle)
Hermle konnte den Umsatz demnach im dritten Quartal auf dem Vorjahresniveau stabilisieren. In den ersten neun Monaten nahm der Umsatz der Schwaben mit Blick auf den vergleichbaren Vorjahreswert um 4,5 Prozent auf 363,8 Millionen Euro ab (Vorjahr = 380,9 Millionen Euro). Damit zeigte sich Hermle robuster als der gesamte deutsche Werkzeugmaschinenbau, der nach Angaben des Branchenverbands VDW im selben Zeitraum einen Umsatzrückgang von 8 Prozent verzeichnete. Das Hermle-Geschäftsvolumen verringerte sich im Inland um 3,7 Prozent auf 135,0 Millionen Euro (Vorjahr = 140,2 Millionen Euro). Im Ausland fiel das Ganze um 4,9 Prozent auf 228,8 Millionen Euro ab (Vorjahr = 240,7 Millionen Euro). Daraus errechnet sich eine Exportquote von 62,9 Prozent (Vorjahr = 63,2 Prozent). Als Basis für den soliden Verlauf gilt der gute Auftragsbestand des Unternehmens, der im dritten Quartal weiter abgearbeitet wurde. Ende September belief er sich auf 103,8 Millionen (31.12.2023: 130,5 Millionen Euro; 30.9.2023: 161,1 Millionen Euro).
Hermle stabilisiert sich durch Internationalisierung
Angesichts geopolitischer Unsicherheiten und staatlicher Interventionen, der schwachen Gesamtkonjunktur – vor allem in Deutschland – sowie struktureller Veränderungen unter anderem in der Automobilbranche hat sich die Investitionszurückhaltung der Industrie seit Mitte des Jahres weiter verstärkt. Von diesen Effekten ist auch Hermle zunehmend betroffen. Denn der Auftragseingang nahm etwa in den ersten drei Quartalen 2024 konzernweit um 9,9 Prozent auf 337,1 Millionen Euro ab (Vorjahr = 374,1 Millionen Euro). Davon entfielen 118,8 Millionen Euro auf das Inland (Vorjahr = 132,0 Millionen Euro) und 218,3 Millionen Euro auf das Ausland (Vorjahr = 242,1 Millionen Euro). Im gesamten deutschen Werkzeugmaschinenbau verringerten sich die neuen Bestellungen in der Berichtsperiode nach VDW-Angaben um 23 Prozent. Der Grund sei das bessere eigene Abschneiden wegen der starken Präsenz im Automationsbereich und die damit verbundenen wachsenden Serviceaktivitäten sowie die zunehmende Internationalisierung – vor allem über Europa hinaus. Stabilisierend wirkte sich etwa die Entwicklung der Nachfrage in Nordamerika aus, wie es dazu heißt. Die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage von Hermle blieb in den ersten neun Monaten 2024 weiterhin solide – auch wenn sich das Ergebnis vor allem wegen der geringeren Auslastung (wurde aber erwartet) deutlich stärker als der Umsatz reduzierte. Per Ende September verfügte Hermle nach wie vor über hohe liquide Mittel und eine Eigenkapitalquote von 72,4 Prozent (zum 31.12.2023 waren es 72,5 Prozent und zum 30.9.2023: 70 Prozent).
Hermle hat genug finanzielle Kraft für die Zukunft
Damit habe Hermle eine gute Grundlage, um die begonnenen Zukunftsprojekte unabhängig von der aktuellen Konjunktur umzusetzen. Hierzu zählt beispielsweise das über mehrere Jahre angelegte Investitionsprogramm zum Standortausbau, durch das sich die Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte in der Berichtsperiode von 19,9 Millionen Euro auf 32,9 Millionen Euro erhöhten. Im Mittelpunkt stand der Ausbau des Produktionsstandortes Zimmern ob Rottweil. Dort hat das Unternehmen im dritten Quartal eine weitere Fertigung von Automationskomponenten und zusätzliche Lagerflächen in Betrieb genommen. Andere Schwerpunkte waren der Erwerb der auf hochpräzise Schleifteile spezialisierten Gebr. Grieswald GmbH & Co. KG aus Burladingen, sowie die neue Spindelmontage und die Messtechnik am Hermle-Hauptsitz Gosheim. Dort wurde ferner mit dem Abriss alter Gebäudeteile begonnen, um ein neues Anwendungszentrum mit angeschlossener Kantine für die Beschäftigten zu errichten. Auch in die Cybersicherheit investiere Hermle laufend.
Das läuft entwicklungs- und personaltechnisch
Ein anderes wichtiges Zukunftsprojekt, dessen Umsetzung derzeit konzentriert vorangetrieben wird, ist laut Aussage von Hermle die Umstellung des gesamten Produktportfolios auf „Generation 2“. Damit soll die komplette elektrische Architektur der Bearbeitungszentren auf ein neues Level gehoben werden, weil alle Schnittstellen auf den modernsten Stand der Technik gebracht würden. Zusätzlich führt Hermle seine F&E-Aktivitäten auf gleich hohem Niveau fort, um die Produktpalette auszubauen und kontinuierlich zu optimieren. Auch an seiner langfristig ausgelegten Personalpolitik hält das Unternehmen fest, wobei der Nachwuchsförderung besondere Bedeutung zukommt. Zum 30. September 2024 konnte Hermle die Zahl der Auszubildenden und dual Studierenden auf 132 Personen steigern (Vorjahr = 116) und damit einem künftigen Fachkräftemangel entgegenwirken. Darüber hinaus vergrößerte sich die Belegschaft in verschiedenen Auslandstochtergesellschaften sowie den mit Automatisierungsinnovationen befassten Unternehmensbereichen (inklusive Ex-Zulieferer Grieswald). Insgesamt beschäftigte die Hermle-Gruppe zum Stichtag weltweit 1.600 Menschen (Zum 31.12.2023 = 1.511 und zum 30.9.2023 = 1.506).
Stand: 08.12.2025
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