Automatisierungskonzepte werden immer komplexer, der Zeitdruck für die Umsetzung aber immer höher. Festo bietet deshalb ein Engineering-Ökosystem an, das von der Konzeptphase bis zur Wartung Unterstützung bietet. Im Gespräch mit Rainer Ostermann, Geschäftsführer Festo Österreich, erfahren wir mehr.
Rainer Ostermann zeigt, wie Festo seine Kunden mit der digitalen Customer Journey, also über digitale Tools, über den gesamten Lebenszyklus einer Maschine hinweg begleitet.
(Bild: Maximilian Lottmann)
Digitale Tools können den Konstrukteur und Ingenieur im Engineering-Prozess unterstützen und somit den Zeitaufwand minimieren. Welche solcher digitalen Werkzeuge stehen bei Festo für welche Aufgabe zur Verfügung?
Wir unterstützen unsere Kunden in jeder Phase ihres Projekts. Dafür bieten wir ihnen ein durchgängiges, digitales Engineering-Ökosystem an. Sie steigen über das „My Festo Dashboard“ ein, von dem aus man auf spezialisierte Engineering-Tools zugreifen kann. Der „System Configurator“ spielt dabei eine Schlüsselrolle, denn er erlaubt es, komplette Maschinentopologien grafisch zu entwerfen – von der Steuerungsebene über Antriebe und Remote-I/Os bis hin zu IO-Link-Geräten. Und ganz unabhängig davon, ob es sich um pneumatische oder elektrische Komponenten handelt. Ergänzt wird das Portfolio durch etablierte Online-Tools wie den „Handling Guide Online“ für kartesische Roboter sowie „Electric Motion Sizing“ und „Pneumatic Simulation“ für die Auslegung elektrischer und pneumatischer Antriebsstränge. Darüber hinaus gibt es die „Festo Automation Suite“ für die Parametrierung, Inbetriebnahme, Diagnose und Wartung. Alle Tools sind kostenfrei verfügbar.
Festo spricht in diesem Zusammenhang von der „Customer Journey“. Wo beginnt diese? Und wo endet sie?
Erfolgreicher Maschinenbau beginnt mit der ersten Idee. Darum startet die Customer Journey bei Festo schon in der Konzeptphase. Konstrukteure können bereits bei den ersten Annahmen zu Taktzeiten, Lasten oder Bewegungsprofilen digitale Werkzeuge nutzen, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Dann denken wir gemeinsam weiter – weit über die Bestellung hinaus. Wir begleiten unsere Kunden über den gesamten Lebenszyklus einer Maschine hinweg, bis zur Wartung und Optimierung. Das macht die digitale Customer Journey bei Festo zu einem positiven Erlebnis.
Sie bezeichnen es als „positives Erlebnis“. Aber ganz konkret: Von welchen Vorteilen soll der Konstrukteur profitieren, wenn er die Engineering-Tools von Festo nutzt?
Zwei Faktoren sind für Konstrukteure besonders wichtig: Zeitgewinn und eine höhere Planungssicherheit. Unsere digitalen Werkzeuge helfen, komplexe Entscheidungen frühzeitig abzusichern, Varianten schnell zu vergleichen und die optimale Lösung zu finden – ohne tiefes Spezialwissen zu jedem einzelnen Produkt. Das ist ein echter Mehrwert. Zudem können einmal erfasste Daten über alle Phasen hinweg in unterschiedlichen fachlichen Bereichen und Disziplinen genutzt werden. Das senkt nicht nur den Engineering-Aufwand, sondern reduziert auch Fehlerquellen bei der Übergabe zwischen Mechanik, Elektrik, Software und dem Einkauf. So wird die Kommunikation abteilungsübergreifend vereinfacht.
Und wie verbindet Festo in den Tools seine pneumatischen, elektrischen und mechanischen Lösungen?
Wir lassen uns von Technologiegrenzen nicht aufhalten, denn wir denken Automatisierung systemisch. Anstatt nur einzelne Komponenten zu optimieren, zielen unsere digitalen Tools darauf ab, komplette mechatronische Systeme abzubilden. Daher verbindet der „System Configurator“ pneumatische und elektrische Komponenten in einer gemeinsamen Maschinentopologie. So können Konstrukteure komplette Automatisierungssysteme modellieren, ohne zwischen getrennten Werkzeugwelten wechseln zu müssen. Dadurch entsteht ein einheitliches technisches Bild der Maschine – unabhängig von der zum Einsatz kommenden Technologie.
Inbetriebnahme einer Maschine über die „Automation Suite“.
(Bild: Festo)
Können Sie näher erklären, mit welchen Tools Festo Konstrukteure und Entwicklungsingenieure dabei unterstützt , komplexe Automatisierungslösungen schneller zu entwerfen und zu validieren?
Unser erklärtes Ziel ist die Vereinfachung und der Schlüssel dazu sind Durchgängigkeit und konsequente Datenweitergabe zwischen verschiedenen Tools. Auslegungs- und Topologiedaten aus dem „System Configurator“ können deshalb direkt in die „Festo Automation Suite“ übernommen werden. Dort stehen sie beispielsweise für die Inbetriebnahme und Diagnose zur Verfügung. Diese enge Verzahnung von technischer Planung, dem Maschinenbau und dem späteren Betrieb reduziert den Aufwand erheblich und sorgt dafür, dass Entwurf und Realität näher zusammenrücken.
Offenheit ist in der Automatisierung immer wichtiger. Gibt es somit auch Schnittstellen zu anderen Engineering-Tools oder zu Komponenten anderer Hersteller?
Ja, Festo bietet Schnittstellen zu anderen Tools bzw. Herstellern an. Beispielsweise stellt die „Automation Suite“ Funktionsbausteine, Gerätebeschreibungen und Topologieexporte bereit, um Festo-Systeme in die SPS-Umgebungen aller gängigen Steuerungshersteller zu integrieren. Ebenso können Komponenten anderer Hersteller – wie z.B. IO-Link Geräte – in Festo-Maschinentopologien eingebunden werden. Damit unterstützen wir offene Automatisierungsarchitekturen und erleichtert die Einbindung in bestehende Maschinenkonzepte. Zudem kommt die Bereitstellung von digitalen Zwillingen der Festo-Komponenten über die standardisierte Verwaltungsschale (Asset Admisistration Shell) einer herstellerübergreifenden Zusammenarbeit sehr entgegen.
Hierfür sind digitale Daten ja essenziell! Welche Rolle spielen dann Digitalisierung und KI in Ihren Lösungen?
Digitalisierung ist ein „Enabler“ für durchgängige Prozesse. Sie macht Engineering-Wissen reproduzierbar, skalierbar und erlaubt die Nutzung in verschiedenen Projekt-Phasen. Dazu kann künstliche Intelligenz etwas beitragen. Darum setzen wir sie gezielt dort ein, wo sie echten Mehrwert bringt.
Stand: 08.12.2025
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Gibt es dafür schon konkrete Beispiele?
Ja! Unser „Virtual Assistant“ kann bereits auf mehr als 38.000 Dokumente zugreifen und Anwender dialogbasiert bei technischen Fragestellungen unterstützt. Er interagiert direkt mit Engineering-Tools und hilft bei Auswahl- und Auslegungsentscheidungen. Ein weiteres Beispiel ist „Predictive Maintenance“: Hier erkennt die KI Anomalien und hilft Maschinenausfälle zu verhindern.
Rainer Ostermann: „Unsere digitalen Werkzeuge helfen, komplexe Entscheidungen frühzeitig abzusichern, Varianten schnell zu vergleichen und die optimale Lösung zu finden – ohne tiefes Spezialwissen zu jedem einzelnen Produkt.“
(Bild: Festo)
Wir haben über die Unterstützung im Engineering gesprochen, doch die Customer Journey geht darüber hinaus. Inwieweit unterstützt Festo verkaufs- und logistikbezogene Prozesse entlang dieser Journey?
Engineering-Ergebnisse lassen sich im Handumdrehen in Beschaffungs- und Angebotsprozesse überführen. Man kann die Komponenten von geplanten Projekten direkt aus dem „System Configurator“ bestellen. Es ist aber auch möglich, über „My Festo“ Lösungen zu teilen, Angebote, Bestellungen sowie den Lieferstatus einzusehen und Projekte abteilungsübergreifend abzustimmen und zu verwalten. Das beschleunigt Entscheidungsprozesse und reduziert den internen Abstimmungsaufwand erheblich.
Und wenn Maschine oder Anlage letztendlich in Betrieb ist: Welche Vorteile können Anwender dann erwarten?
Die Anwender profitieren unter anderem von digitaler Diagnose, einer transparenten Dokumentation und vorausschauender Wartung. Mit Lösungen wie „Smartenance“, unserem digitalen Wartungsmanager, und den „AX Industrial Apps“ wird Predictive Maintenance Wirklichkeit. Sie helfen die Stillstände zu reduzieren und Wartungsmaßnahmen gezielt zu planen.
Diese Durchgängigkeit der Daten vom Engineering bis zur Wartung muss ja sichergestellt sein. Welche Voraussetzungen müssen also die Produkte erfüllen, um damit Festo diese Services bereitstellen kann?
Die Grundlage dafür bilden standardisierte digitale Produktdaten, aber auch eine umfassende Parametrier- und Diagnosefähigkeit sowie offene Kommunikationsschnittstellen. Nur so können Produkte nahtlos in digitale Prozesse eingebunden werden – und das ist die Voraussetzung für zukunftsfähige Lösungen.
Wie werden die Daten und Projekte verwaltet?
Alle relevanten Projekt- und Engineering-Daten werden über „My Festo“ verwaltet. Diese zentrale Datenebene erleichtert die Zusammenarbeit intern und extern. Die Plattform bietet die Möglichkeit Abteilungs- und firmenübergreifend zusammenzuarbeiten. Auch externe Engineering Partner sowie unsere Experten können so am Engineering Prozess mitarbeiten.
Kann ein Konstrukteur Daten auch exportieren, um sie in anderen Softwaresystemen zu nutzen?
Ja, natürlich! Je nach Tool stehen CAD-Modelle, Stücklisten, Parametrier- und Topologie-Daten zur Weiterverwendung, also für den Export in kundenseitigen Engineering-Umgebungen zur Verfügung.
Welche strategischen Ziele verfolgt Festo mit dem Konzept der Customer Journey?
Wir wollen der Lifecycle-Partner für industrielle Automatisierung sein. Durch konsistente Daten, intelligent verknüpfte Tools und durchgängige Prozesse sollen Projekte schneller, sicherer und effizienter realisiert werden – über alle Technologien, fachlichen Disziplinen und Projekt-Phasen hinweg. Damit verschaffen wir unseren Kunden Mehrwert und einen echten Vorsprung.
Welche Innovationen und Weiterentwicklungen sind für die kommenden Jahre geplant?
Wir setzen auf den kontinuierlichen Ausbau der digitalen Automation. Dazu gehören unter anderem die konsequente Unterstützung beim Engineering, der Einsatz von KI und Digitalen Zwillingen, eine noch engere Verzahnung der Tools über alle Phasen hinweg und Tools mit intelligenten Assistenzfunktionen entlang der gesamten Customer Journey.
Dipl.-Ing. Rainer Ostermann
Ostermann hat eine technische Lehre und das Studium der Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Liechtenstein absolviert. Danach war der Vorarlberger für ein Liechtensteiner Maschinenbau-Unternehmen im Halbleitersektor tätig. 2005 begann Ostermanns Karriere bei Festo: zunächst als Manager Display Technologies, später als Head of Key Account and ISM Flat Panel/Solar. 2012 ging er als CEO in die Schweiz zu einem Contract Manufacturer, um Mitte 2013 als Country Manager für den Markt Österreich zurückzukehren. Seit 2023 ist er alleiniger Geschäftsführer von Festo Österreich.