Lapp will bis 2027 seine direkten CO2-Emissionen um mindesten 30 Prozent im Vergleich zu 2022 senken. Welche Maßnahmen dafür ergriffen werden und welche Strategie dahinter steht, haben uns Klemens Dolzer, Geschäftsführer bei Lapp Austria GmbH und Maria Dobritzsch, Global CSR-Managerin bei der Lapp Holding SE, im Gespräch vorgestellt.
Stefanie Michel (rechts) zum Gespräch mit Maria Dobritzsch und Klemens Dolzer bei Lapp Austria in Linz.
(Bild: Lapp)
Man sieht tatsächlich hier am Standort Linz, dass das Thema Nachhaltigkeit überall präsent ist. Doch was bedeutet Nachhaltigkeit für das Lapp selbst?
Maria Dobritzsch: In der Strategie 2027, die der Vorstand der Lapp-Gruppe vor einiger Zeit verabschiedet hat, ist das Thema Nachhaltigkeit ganz oben angesiedelt. Es wurden Unterziele definiert, die Teil unserer Planung sind. Wir segmentieren das, damit die Unterziele auch in der Strategie der Landesgesellschaften verankert sind, ebenso in den Fachbereichen wie im Einkauf, in der Produktion und in der Logistik. Damit haben die entsprechenden Entscheidungsträger ihre eigenen Ziele. So habe nicht nur ich als Nachhaltigkeitsverantwortliche ein Ziel, sondern es leistet jeder einzelne Bereich seinen Beitrag.
Welche konkreten Ziele sind das?
Dobritzsch: Wir haben uns, bezogen auf die drei großen Bereiche Umwelt, Produkte und Innovationen und Beschäftige und Gesellschaft, Unterziele gesetzt. Im Bereich Umwelt ist eines der großen Ziele die Reduktion unseres CO2-Fußabdrucks. Auf Unternehmensebene wollen wir die direkten Emissionen (Scope 1 und 2) um mindestens 30 Prozent bezogen auf das Basisjahr 2022 senken. Ganz bewusst sagen wir auch: Wir wollen nicht direkt klimaneutral werden, weil das oft mit der Kompensation von CO2 einhergeht. Wir wollen über eigene Maßnahmen Reduktionen herbeiführen, indem wir beispielsweise die Grünstromerzeugung an den eigenen Standorten ausweiten. Wir haben viele Standorte, die bereits PV-Anlagen auf den Dächern haben. Wenn eine Installation nicht möglich ist – wir haben auch angemietete Gebäude – dann schließen wir entsprechend Grünstromverträge ab.
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Im Bereich Umwelt haben wir uns beim Thema Kreislaufwirtschaft Ziele gesetzt und wollen ein globales Konzept aufstellen. Im Bereich Produkte und Innovationen spielt die Berechnung unseres Product Carbon Footprints hinein, also wie viele CO2-Emissionen verursacht beispielsweise 1 Meter Kabel.
Im Bereich Beschäftige und Gesellschaft haben wir uns drei KPIs gesetzt: Wir wollen die mentale Gesundheit der Mitarbeitenden fördern, zum Thema Diversity und Internationalität schulen und sensibilisieren sowie zu sozialem Engagement ermutigen. So soll jede Landesgesellschaft einmal pro Jahr ein soziales Projekt umsetzen. Diese Strategie ist auch global kommuniziert.
Wie kommt das bei Ihnen, Herr Dolzer, in einer Landesgesellschaft an?
Klemens Dolzer: Wir leben das auch so. Diese drei Grundpfeiler Umwelt, Produkte und Innovation sowie Beschäftige und Gesellschaft gelten für uns natürlich ebenso. Wir haben hier noch eine vierte Dimension und das ist Management. Das Management leistet für uns einen wichtigen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit, weil die Managing Performance natürlich ein großer Erfolgsfaktor für die Umsetzung all dieser Ziele ist.
Das klingt sehr umfassend. Was haben Sie bereits umgesetzt?
Dolzer: Wir starten natürlich damit, Reglements und Gesetzesvorgaben einzuhalten – Stichwort Zertifizierungen. Wir setzen hier am Standort, aber auch in Ungarn und in Slowenien – dafür bin ich auch zuständig – konsequent auf diverse Umweltmanagementzertifikate, also ISO-Zertifikate. Auch Energiemanagement ist Teil dieser Zertifizierungen. Außerdem spielt Photovoltaik (PV) eine große Rolle. Als eine der ersten Auslandsgesellschaften haben wir schon 2018 auf das bestehende Dach eine große PV-Anlage montiert.
Inzwischen haben wir auch in unserem 25 Jahre alten Haus die alte Beleuchtung komplett durch LED ersetzt. In Kombination mit unserer PV-Anlage können wir übers Jahr gerechnet fast zu 94 Prozent unseres eigenen Energiebedarfs im Haus abdecken. Die alte Haustechnik wurde erneuert, sodass auch die Beschattung automatisch geregelt werden kann. Bei neuen Häusern ist das State of the Art, bei alten Häusern nicht.
In Linz produziert Lapp zwar nicht, aber neben den Büros gibt es auch Service und Logistik. Wie sind diese Bereiche in das Konzept mit integriert?
Dolzer: Wir nutzen digitale Technologien für die Ladestationen unserer Elektrostapler, also nicht die klassische Transformatortechnik. Unser System erkennt am Schichtende den Batteriestand des Staplers und speist dann diese Kapazität ins Haus ein. Tagsüber versorgen wir die Stapler mit Strom aus unserer PV-Anlage.
Wie unterstützen Sie aus Österreich die Nachhaltigkeitsbestrebungen auf Produktebene – ohne hier vor Ort neue Produkte zu entwickeln und zu produzieren?
Dolzer: Wir versuchen natürlich das Thema grüne Produkte, die die Kollegen entwickeln und produzieren, möglichst gut am Markt zu platzieren. Dafür schulen wir unsere Außendienstmitarbeiter, um diese neuen Produkte auch beim Kunden zu bewerben. Gleichzeitig starten wir bei erneuerbaren Energien sehr viele Initiativen, indem wir unsere Produkte bei Kongressen, bei Messen oder auch bei Kundenveranstaltungen vorstellen. Wir sind jetzt nicht ausschließlich nur der Verbinder einer Maschine zur Stromquelle, sondern wir setzen auch Schwerpunktthemen, zum Beispiel rund um den Bereich der erneuerbaren Energien.
Aber es geht ja nicht nur um Aufklärung, sondern auch um neue Produkte. Wie fließt der Nachhaltigkeitsgedanke in diese ein?
Dolzer: Wir wollen auf entsprechenden Veranstaltungen mit unseren Produkten Aufmerksamkeit erregen. Dazu haben wir bei kunststoffummantelten Datenleitungen den Kunststoff zum Teil durch biobasierten Kunststoff ersetzt. Auch diese Initiative liefert einen gewissen Beitrag, um den CO2-Fußabdruck zu verringern.
Stand: 08.12.2025
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Es gibt also zwei Varianten?
Dolzer: Ja, es gibt die klassische und die neue, die auch schon erhältlich ist. Diese Etherline FD bioP Cat.5e ist auch etwas günstiger als die bisherige Variante. Nachhaltig muss also nicht teurer sein.
Gibt es Vorgaben von der Holding, wie hoch die Einsparungen sein sollen?
Dobritzsch: Wir haben keine Vorgabe, die in allen Regionen gleichermaßen umgesetzt werden, weil wir einfach zu divers aufgestellt sind. In Produktionsstandorten lassen sich Verbesserungen einfacher erzielen als in einer Vertriebsgesellschaft. Irgendwann kommt man sicherlich auch an gewisse Grenzen, gerade wenn es keine Technologieschübe gibt. Trotzdem haben wir bei den Treibhausgasemissionen auf globaler Ebene klar definiert: Bis 2027 wollen wir 30 Prozent der CO2-Emissionen einsparen. Dann geht es sukzessive weiter und alle Gesellschaften sind angehalten, selbst Maßnahmen zu ergreifen, die wir auch erfassen.
Wie vergleichen Sie dann die unterschiedlichen Standorte? Einen reinen Vertriebsstandort kann man nur schwer mit einem Produktionsstandort vergleichen.
Dobritzsch: Das haben wir natürlich im Blick. Wir wissen auch, dass zum Beispiel manche Gebäude gemietet sind und dort haben wir nur begrenzte Einflussmöglichkeiten. Aber wir haben zum Beispiel bei der Budgetplanung mittlerweile Kategorien eingeführt, die hinterfragen, ob diese Maßnahme zum Thema Nachhaltigkeit beiträgt. Budgets sind immer begrenzt und man kann nicht alles umsetzen.
Wie weit ist Lapp inzwischen bei der CO2-Einsparung bzw. den Planungen?
Dobritzsch: Mithilfe einer Software erfassen wir auf globaler Ebene die Scope-1- und Scope-2-Emissionen von rund 90 Produktions- und Vertriebsstandorten. Klar, eine Vertriebsgesellschaft hat natürlich andere Emissionen als ein Produktionsstandort. Unser Reduktionsziel bezieht sich auf die Treibhausgasbilanz auf Unternehmensebene. In einem Workshop im letzten Jahr haben wir gemeinsam mit dem Vorstand überlegt, welche Maßnahmen wir zur Erreichung des Ziels umsetzen können. Zum einen sind die Landesgesellschaften angehalten, eigene Maßnahmen zu planen, zum anderen machen wir einiges auch zentral. In diesem Jahr wollen wir zum Beispiel die Region APAc (Asien-Pazifik) komplett auf Grünstrom umstellen, nächstes Jahr ist EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) dran und dann Americas (Nord- und Südamerika). Darüber hinaus berechnen wir auch den CO2-Fußabdruck unserer Produkte. Mit den ersten Berechnungen haben wir 2022 begonnen. Mittlerweile liegen Daten für etwa 2.000 Artikel vor. Die Berechnungsmethode ist über die Dekra verifiziert. Die berechneten Werte bilden für uns die Ausgangsbasis für die Ableitung von Reduktionsmaßnahmen.
Wo sehen Sie hier den ersten großen Hebel?
Dobritzsch: Bei den Kabelprodukten ist Kupfer der Rohstoff mit den höchsten CO2-Emissionen. Etwa 60 Prozent der CO2-Emissionen eines Kabelprodukts wird durch dieses Material bestimmt. Im Moment analysieren wir, welche Möglichkeiten wir haben, Reduktionen herbeizuführen. Natürlich brauchen wir von unseren Lieferanten Daten, um unseren CO2-Fußabdruck zu berechnen und verbessern zu können. Es gibt Lieferanten, die in ihrer Kupferproduktion bereits auf Grünstrom umgestiegen sind. Diese Maßnahme führt zu niedrigeren CO2-Werten. Ein Thema, welches bei Lapp ebenfalls eine Rolle spielt, ist das Recycling, denn der Rohstoff Kupfer kann sich unbegrenzt oft recyceln lassen. Und es gibt bereits Unternehmen, die auch ihre Recyclinganteile erhöhen. Es ist also immer eine gewisse Recyclingmenge im Kupfer enthalten. Wünschenswert wäre, wenn sich dieser in den nächsten Jahren erhöhen ließe. Dies hängt aber von der Verfügbarkeit von Kupferschrott ab. Mit höheren Recyclinganteilen lässt sich auch der CO2-Fußabdruck von Kupfer reduzieren. Mit Kunststoffen als Außenmantel haben wir, wie schon gesagt, bereits erste Erfolge erzielt, aber hier ist der Hebel nicht ganz so groß.
Dolzer: Technisch betrachtet ist das ebenfalls eine große Herausforderung. Sie können Kupfer zwar nahezu unendlich oft wieder einschmelzen, aber lässt sich der Recyclinganteil erhöhen von 20 auf 30, auf 40 oder 50 Prozent? Kann man dieses Kupfer genauso verarbeiten? Bleiben die technischen Eigenschaften erhalten? Das ist Forschungsarbeit, die wir leisten müssen. Wir wollen unseren Kunden schließlich keine Qualitätseinbußen bescheren.
Wenn Kupfer der größte Treiber für den CO2-Fußabdruck ist: Welchen Einfluss hat Lapp darauf überhaupt?
Dobritzsch: Diese Frage stellen wir uns natürlich auch. Wir wissen, dass Lapp in diesem System nur ein ganz kleiner Player und unser Einfluss auf die großen Kupferhersteller sehr begrenzt ist. Deshalb sind wir 2022 der Brancheninitiative The Copper Mark beigetreten. The Copper Mark setzt sich für einen verantwortungsvollen Kupferabbau und für eine verantwortungsvolle Kupferherstellung ein. Zum einen können sich Kupferminen zertifizieren lassen und zum anderen auch Kupferhersteller. Im Rahmen der Zertifizierung werden soziale und ökologische Aspekte geprüft – ein bisschen vergleichbar mit Fairtrade. Mittlerweile sind zahlreiche Kupferhütten zertifiziert, auch ein Großteil unserer Lieferanten, insbesondere in Europa. Damit wollen wir sicherstellen, dass unsere Lieferketten – soweit wir das beeinflussen können – verantwortungsvoll sind.
Wie hoch ist das Potenzial bei den Werkstoffen nachhaltiger zu werden?
Dobritzsch: Bei biobasierten Kunststoffen gibt es ein großes Interesse. Aber ich bin ehrlich, die Mengen an verfügbaren Materialien sind noch überschaubar. Wir verwenden ja Industriekunststoffe, die zum Teil auch noch mit Additiven versetzt werden. Heute könnten wir noch nicht unser komplettes Produktportfolio weltweit umstellen. Beim Thema Kupfer gibt es tatsächlich Hersteller, die komplett auf 100 Prozent recyceltes Kupfer setzen. Aber wir können uns natürlich nicht von einem einzigen Lieferanten abhängig machen.
Wie haben Sie den Product Carbon Footprint bestimmt? Wie sind Sie vorgegangen?
Dobritzsch: Wir sind tatsächlich mit einem Pilotprojekt in Kooperation mit der Dekra an unserem Hauptsitz in Stuttgart gestartet, weil dort auch die Kollegen mit der Expertise sitzen. Zu Beginn war es eine Beratung, damit wir Expertise im Haus aufbauen. Nach dem Abschluss des Pilotprojekts haben wir uns entschieden, direkt in unserem größten Produktionswerk in Forbach (Frankreich) mit den Berechnungen für das Ölflex-Produktportfolio zu starten. Diese Produkte sind unsere Bestseller. Das Kundeninteresse ist hier am größten. Für die Kalkulation nutzen wir das Cradle-to-Gate-Prinzip. In die Berechnung werden alle Rohstoffe einbezogen, ebenso der Transport zu uns, die Produktion und ein kleiner Teil der Logistik. Das liegt daran, dass die Kunden nicht von unseren Produktionsstandorten, sondern von unseren Logistikzentren beliefert werden.
Zur Berechnung der Emissionen greifen wir u. a. auf Werte aus Datenbanken zurück, weil nicht alle Lieferanten Emissionsdaten für ihre Rohstoffe bereitstellen können. Für den Herstellungsprozess nutzen wir reale Daten aus der Produktion, die zentral erfasst und ausgewertet werden. Unsere Berechnungsmethode erfolgt nach den Vorgaben der ISO 14067 und ist von der Dekra verifiziert. Mittlerweile können Kunden über unserer Website Daten für einzelne Produkte anfordern.
Und bei neuen Produkten werden die CO2-Emissionen gleich mitberechnet, oder?
Dobritzsch: Das ist das Ziel. Wir hatten jetzt erst Forbach im Blick. Aber es laufen auch Projekte in Indien und China. Weitere Standorte werden folgen, weil ein Kunde natürlich auch von einem anderen Produktionsstandort beliefert werden kann. Die Werte in den europäischen Standorten werden ähnlich sein. Aber wir sind auch transparent dem Kunden gegenüber und sagen, dass wir momentan noch nicht alle Daten haben.
Ist das Thema Nachhaltigkeit auch ein Treiber, um mit Kunden ins Gespräch zu kommen? Oder ist es in manchen Märkten sogar ein Hindernis?
Dolzer: Meine Erfahrung bei Kunden, mit denen ich in Österreich zu tun habe, hat mich bestätigt: Es ist ein absoluter Vorteil, wenn man dieses Thema proaktiv anspricht. Wir sagen dem Kunden ganz klar: Wir arbeiten daran, wir sind noch nicht perfekt, aber wir haben uns das auf unsere strategischen Fahnen geschrieben. Ich sehe keinen einzigen Nachteil. Man kann darüber philosophieren, ob wir uns in Europa mit diesem Thema global betrachtet einen Nachteil im Vergleich zu anderen Industrieländern schaffen. Viele Länder haben bisher kein Interesse daran, sich diese Hürden anzutun. Aber es ist meine persönliche Überzeugung, dass es unsere Pflicht ist als eine der reichsten Nationen der Welt, in diesen Dingen etwas zu tun.
Wir haben jetzt viel über die Produkte und die Standorte selbst gesprochen. Was ist mit dem Pfeiler Beschäftige und Gesellschaft? Was beinhaltet das?
Dolzer: Lapp Austria hat eine Patenschaft für Bienenstöcke übernommen und ist jetzt Eigentümer von ungefähr 40.000 Bienen. Hiermit wollen wir das Thema Biodiversität stärken. Wir stellen aber auch eine Fülle an freiwilligen sozialen Leistungen zur Verfügung, um unseren Mitarbeitenden einen attraktiven Arbeitsplatz zu bieten: dazu gehören flexible Arbeitszeiten, Homeoffice sowie gratis Obst, Kaffee und Getränke. Wir ermöglichen Massagen während der Arbeitszeit, haben ein kleines Fitnessstudio im Haus und es gibt natürlich klassische Dinge wie Grillfeste und jährlich eine Weihnachtsfeier. Wir machen aber auch viele Aktionen über das Jahr hinweg: Zum Beispiel sammeln wir mit unseren Mitarbeitenden mittlerweile zweimal im Jahr während der Arbeitszeit Müll in der Umgebung. Das sind Gelegenheiten, wo wir im Unternehmen aktiv dazu ermutigen, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Da geht es um Bewusstseinsbildung – auch das Radfahren gehört dazu. Wir bieten einen kostenlosen Fahrradcheck an, sodass die Mitarbeitenden den Service für ihr Fahrrad im Unternehmen machen lassen können. Außerdem verschicken wir im Haus einen eigenen Newsletter nur für das Thema Nachhaltigkeit.
Sie nutzen diese Themen auch für die Rekrutierung von neuen jungen Mitarbeitern. Merken Sie, dass junge Leute nach solchen Dingen in ihren Beruf suchen?
Dolzer: Ich merke, dass es die jungen Leute interessiert. Aspekt Nummer eins ist: Es ist wichtig, einen Arbeitgeber zu haben, für den auch Nachhaltigkeit wichtig ist. Das merken sie schon im Gespräch. Aspekt Nummer zwei: die Leute sind natürlich interessiert an diesen „Social Goodies“, wie flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder Fitnessprogramme.
Dobritzsch: Man merkt, dass soziale Komponenten einen hohen Stellenwert haben. Das Gehalt ist immer noch wichtig. Aber was bietet der Arbeitgeber darüber hinaus an? Soziale Komponenten spielen deshalb eine sehr wichtige Rolle bei der Wahl des Arbeitgebers.
Zu den Interviewpartnern
Maria Dobritzsch ist seit 2022 Global CSR Managerin bei der Lapp Holding SE in Stuttgart, wo sie das globale Nachhaltigkeitsmanagement verantwortet und das ESG-Reporting koordiniert. Sie bringt einen akademischen Hintergrund in Business Ethics und CSR-Management mit.
Dipl.-Ing. Klemens Dolzer ist seit 2013 der Geschäftsführer der Lapp Austria GmbH und leitet dort die Unternehmensführung in Linz. Ebenso ist er Geschäftsführer der Lapp Hungária Kft. und von Lapp Slowenien. Als Techniker und Vertriebsexperte übernahm er zuvor verantwortliche Positionen bei internationalen Industriebetrieben.