Edlmair liefert an Stahlwerk „Wenn Stahl versagt, muss Kunststoff ran“

Quelle: Pressemitteilung 5 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die Edlmair GmbH liefert Komponenten für die Regenerationsanlage an das weltweit erste CO2-neutrale Stahlwerk. Das entsteht gerade im Nordosten Schwedens und geht in diesem Jahr in Betrieb. Kunststoff ist hier der Werkstoff der Wahl, denn Stahl würde in Kürze korrodieren.

Michael und Karl Edlmair, Geschäftsführer der Edlmair GmbH.(Bild:  Edlmair)
Michael und Karl Edlmair, Geschäftsführer der Edlmair GmbH.
(Bild: Edlmair)

Es ist ein Prestigeauftrag mit Signalwirkung, den die Edlmair GmbH seit 01. Oktober in den Büchern hat. Das Kunststofftechnik-Unternehmen aus Neuhofen/Krems liefert Komponenten an das weltweit erste CO2-neutrale Stahlwerk. Dieses entsteht in Boden im Nordosten Schwedens und geht bereits 2025 in Betrieb. Die von Edlmair produzierten Komponenten kommen in der Regenerationsanlage für jene Salzsäure zum Einsatz, die in der Stahlproduktion benötigt wird.

Der Betrieb verzeichnet derzeit einen Höchststand an internationalen Großaufträgen. So hat sich Edlmair heuer auch die Aufträge für gleich zwei Abluftfilteranlagen zur Rückgewinnung von Schwefelsäure gesichert. Während in Neuhofen die Komponenten für einen Auftrag im Westen Europas gefertigt werden, erfolgt im Nordosten von Frankreich die Erneuerung einer seit 2003 bestehenden Anlage. Edlmair produziert und liefert dafür sowohl das außergewöhnlich langlebige Rohrbündel für die Abscheideeinheit – das Herzstück der Anlage – als auch die Säureauffangwanne. Bei allen drei Projekten kommt Kunststoff zum Einsatz, weil Stahl schon nach wenigen Wochen korrodieren würde.

Bildergalerie

Die Stärken von Kunststoff

„Wenn Stahl versagt, muss Kunststoff ran“, bringt Firmenchef Michael Edlmair eine spezielle Stärke des Werkstoffs auf den Punkt. Für Erika Lottmann, Vorsitzende der WKO-Fachvertretung der Kunststoffverarbeiter Oberösterreich, unterstreichen die Prestigeaufträge für Edlmair die Bandbreite und Leistungsfähigkeit der Branche. „Die Kompetenz unserer Mitgliedsbetriebe reicht von der Produktion von Sportartikeln, Auto- und Flugzeugteilen bis hin zu Produkten der Medizintechnik. Wir erzeugen weltweit gefragte Hightech-Produkte und kümmern uns auch um die Frage des Recyclings und der Nachhaltigkeit von Kunststoffprodukten. Entsprechend groß sind auch die Karrierechancen“, wirbt Lottmann um Nachwuchs.

Beim Großauftrag für das CO2-neutrale Stahlwerk in Schweden, den Edlmair vom deutschen Hütten- und Walzwerkstechnik-Unternehmen SMS group bekommen hat, sind die konkreten Spezifikation dafür derzeit in Ausarbeitung. Für die Farben- und Lackfabrik im Norden Frankreichs werden die Komponenten montiert. Rund 25.000 Kubikmeter Abluft aus dem Produktionsprozess reinigt die Abgasfilteranlage pro Stunde – das entspricht dem Fassungsvermögen von zehn olympischen Schwimmbecken. Entsprechend großzügig sind die Komponenten dimensioniert. „Wir liefern für die Abscheideeinheit ein Rohrbündel aus insgesamt 140 Kunststoffrohren mit jeweils fünf Metern Länge und 250 Millimetern Durchmesser. Außerdem die würfelförmige Säureauffangwanne mit 3,5 Metern Seitenlänge und knapp 43 Kubikmeter Fassungsvermögen“, erklärt Michael Edlmair, der gemeinsam mit seinem Bruder Karl den gleichnamigen Familienbetrieb führt.

Über 99,9 Prozent zurückgewonnene Schwefelsäure

Um diese nach Frankreich zu bringen, ist ein Sondertransport mit Überbreite notwendig. Gefertigt werden die Komponenten, mit denen über 99,9 Prozent der Schwefelsäure für die Wiederverwendung zurückgewonnen werden, aus elektrisch leitfähigem Polypropylen. Die benötigten Platten, Rohre und der Schweißdraht aus Kunststoff kommen von Agru aus dem nur 15 Kilometer entfernten Bad Hall. Bei Edlmair werden diese zu fertigen Anlagenkomponenten geschnitten, gesägt, gefräst, gebohrt, gedreht, für Umformungen erwärmt und vor allem geschweißt.

Luftdicht und unerwartet langlebig

In der Farben- und Lackfabrik in Frankreich werden diese schließlich in der fast 20 Meter hohen Stahlturmkonstruktion der Abluftfilteranlage verbaut. „Weil die gesamte Anlage komplett luftdicht sein muss, sind unsere Experten bei der Montage und Inbetriebnahme vor Ort“, erklärt Edlmair. Im Vollbetrieb reinigt die Anlage 25.000 Kubikmeter Abluft aus dem Produktionsprozess. Die darin enthaltene Schwefelsäure wird im Nasselektrofilter nach dem elektrostatischen Prinzip abgeschieden. Mittels höchstlegierter Drahtelektroden, die durch jedes einzelne Rohr geführt und unter Hochspannung gesetzt werden, werden die Schwefelsäure-Tröpfchen zur Rohrwand hin abgestoßen und vom Abluftstrom getrennt. So effizient und bewährt dieser Prozess ist, so wartete die Anlage doch mit einer höchst positiven Überraschung auf. „Als wir diese im Jahr 2003 zum ersten Mal errichtet haben, dachten wir nicht, dass Polypropylen in dieser Anwendung derartig langlebig ist. Deshalb müssen wir die Komponenten nicht wie erwartet nach zehn, sondern erst nach 20 Jahren tauschen“, freut sich Edlmair.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Monatlich Volumen des Wolfgangsees gefiltert

Mittlerweile ist das Knowhow des Kunststofftechnik-Unternehmens aus Neuhofen in der Errichtung von Abluftfilteranlagen weltweit gefragt. „Alle Anlagen, in denen unsere Kunststoffkomponenten verbaut sind, reinigen pro Stunde knapp eine Million Kubikmeter Abluft“, berichtet Michael Edlmair. In einem Monat entspricht das in etwa dem Volumen des Wolfgangsees. Noch wesentlich leistungsfähiger ist jene Anlage im Westen Europas, für die im Werk bereits gefertigt wird. „Diese reinigt 300.000 Kubikmeter Luft pro Stunde– und damit das Zwölffache der Anlage in Frankreich“, verrät der Firmenchef.

Obwohl sein Unternehmen international tätig ist, kommen die Auftraggeber zu einem großen Teil aus Deutschland und Österreich. Neben der deutschen SMS Group sind das etwa die Andritz AG, die Kanzler Verfahrenstechnik Gesellschaft m.b.H. oder die Voestalpine AG. Während viele Projekte im Ausland realisiert werden, war Edlmair für den heimischen Stahlkonzern an der Errichtung einer sogenannten „Beizstraße“ am Unternehmenssitz in Linz beteiligt.

Kunststoff in der Stahlproduktion unentbehrlich

In der Produktion von kaltgewalzten Stahlcoils ist das Beizen im Salzsäurebad ein wesentlicher Produktionsschritt. Für die Voestalpine hat Edlmair die Spezialdeckel für ein drei Meter breites und 100 Meter langes Becken aus Polypropylen gefertigt. Auch in diesem Fall wird die Abluft aufbereitet und die Salzsäure zur abermaligen Verwendung abgeschieden. Sämtliche Abluftwäscher der Salzsäure-Regeneration wurden ebenfalls aus Polypropylen im Hause Edlmair gefertigt. Weil jeder der vier Wäscher über mehrere Stockwerke reicht, wurde für die Anlage eine eigene Betriebshalle mit einer Höhe von 30 Metern errichtet. Der Grund, warum die Voestalpine dafür keinen Stahl verwendet, ist ein ähnlicher, wie bei der Schwefelsäurerückgewinnung, erklärt Michael Edlmair. „Stahl würde viel zu schnell korrodieren. Um das zu verhindern, könnte man zwar auch eine Gummierung als Schutz aufbringen. Die Komponenten wären dann allerdings um bis zu acht Mal schwerer und außerdem weniger langlebig.“

Keine Konjunkturdelle spürbar

Weil die Edlmair GmbH neben dem Anlagenbau auch im Rohrleitungs- und Behälterbau aktiv ist und außerdem Auskleidungen, Frästeile, Sonderkonstruktionen und Maßanfertigungen produziert, spürt der Betrieb keine Konjunkturdelle. „Wir sind für Kommunen im Leitungsbau oder für Schwimmbäder ebenso tätig wie für Wasser- oder Kraftwerke und Industriebetriebe“, so Edlmair. Das 13-köpfige Team peilte für 2024 einen Umsatz von zwei Millionen Euro an und verstärkte sich bei Auftragsspitzen gezielt mit Leasingpersonal.

(ID:50280853)