Geschäftszahlen Voestalpine steigert Ergebnis – und plant Entlassungen

Quelle: Pressemitteilung Voestalpine 4 min Lesedauer

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Bei Voestalpine ist im 1. Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 der Umsatz zwar leicht gesunken, aber das Ergebnis gesteigert. Dennoch seien „Kapazitätsanpassungen“ nötig, was bedeutet, dass an den Standorten Kindberg und Mürzzuschlag insgesamt 340 Stellen abgebaut werden.

Die Voestalpine AG zeigt sich zufrieden mit dem 1. Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26, muss aber weiteren Stellenabbau vornehmen.(Bild:  office@fotostudio-eder.at/Voestalpine)
Die Voestalpine AG zeigt sich zufrieden mit dem 1. Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26, muss aber weiteren Stellenabbau vornehmen.
(Bild: office@fotostudio-eder.at/Voestalpine)

Die Voestalpine konnte nach eigenen Angaben im 1. Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 (1. April 2025 – 30. September 2025) ein solides Ergebnis in einem herausfordernden Umfeld erzielen. Die weltweit gute Nachfrage im Geschäftsbereich Railway Systems hielt auch im 1. Halbjahr an, ebenso setzte sich im Bereich Luftfahrt die positive Marktentwicklung weiter fort. Die Bereiche Bau, Maschinenbau und Konsumgüter stagnierten weiterhin auf niedrigem Niveau. Der Bedarf an Produkten aus dem Energiebereich war in den ersten sechs Monaten des aktuellen Geschäftsjahres weiter rückläufig, hingegen verzeichneten die Produkte der Steel Division für internationale Pipeline-Projekte weiterhin eine gute Nachfrage.

Zweigeteilt ist auch die Nachfrage nach den Voestalpine-Produkten für die Automobilindustrie: Während der Geschäftsbereich Automotive Components von der nach wie vor sehr verhaltenen Entwicklung der Automobilproduktion, insbesondere in Euroopa, und hier vor allem in Deutschland, betroffen ist, zeigte sich die Nachfrage nach den Produkten der Steel Division in diesem Segment stabil auf gutem Niveau. Der positive Trend im Geschäftsbereich Lagertechnik setzte sich im 1. Halbjahr 2025/26 weiter fort.

Die Voestalpine konnte im ersten Halbjahr 2025/26 ein sehr solides Ergebnis erzielen. Unsere hochtechnologischen Produkte sind weltweit gefragt, vor allem die Bereiche Eisenbahninfrastruktur, Luftfahrt und Lagertechnik haben sich sehr gut entwickelt.

Herbert Eibensteiner, CEO der Voestalpine AG

Reorganisationsmaßnahmen mit Stellenabbau

Die Voestalpine geht aktuell von keiner Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in den nächsten Monaten aus und wird ihre laufenden Reorganisationsmaßnahmen wie etwa an den deutschen Automotive-Components-Standorten und in der High Performance Metals Division weiter konsequent umsetzen.

Bei der Voestalpine Tubulars führen die erheblichen Belastungen durch US-Zölle im Hauptabsatzmarkt USA sowie die anhaltend niedrigen Ölpreise zu einem spürbaren Rückgang der Absatzmengen, weshalb „Kapazitätsanpassungen“ am Standort Kindberg notwendig werden. Auch bei der Voestalpine Böhler Bleche in Mürzzuschlag wurde bis Ende des Jahres ein Strategieprojekt ins Leben gerufen, mit dem Ziel, das Unternehmen und seine Prozesse so aufzustellen, dass trotz schwieriger Rahmenbedingungen Produkte zu marktfähigen Preisen verkauft werden können. Inzwischen geht man davon aus, dass an den Standorten Kindberg und Mürzzuschlag insgesamt 340 Stellen abgebaut werden. Für den Standort Mürzzuschlag waren auch schon mehr Stellen im Gespräch.

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Anstieg beim Ergebnis und solide Bilanzstruktur

Die Umsatzerlöse verringerten sich im Vorjahresvergleich um 5,6 Prozent auf 7,6 Mrd. Euro (HJ 2024/25: 8 Mrd. Euro). Das operative Ergebnis (EBITDA) konnte geringfügig auf 722 Mio. Euro (HJ 2024/25: 718 Mio. Euro) gesteigert werden, das EBIT stieg im Vorjahresvergleich um 2 Prozent auf 345 Mio. Euro. Das Konzernergebnis vor Steuern stieg um 12 Prozent auf 278 Mio. Euro, nach Steuern legte es um 8,6 Prozent auf 199 Mio. Euro zu.

Die Voestalpine weist eine solide Bilanzstruktur auf. Trotz erhöhter Investitionsausgaben für die Transformation der Stahlproduktion (greentec steel) konnte die Verschuldung im 1. Halbjahr 2025/26 weiter abgebaut werden: Die Nettofinanzverschuldung lag per 30. September 2025 bei 1,5 Mrd. Euro. Auf das Eigenkapital konnte gesteigert werden, womit sich auch die Gearing Ratio (Nettofinanzverschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital) verbesserte.

Gleichzeitig sank die Zahl der Beschäftigten (Vollzeitäquivalente) um 4,1 Prozent auf weltweit rund 49.600 Mitarbeiter. Der Rückgang resultiere im Wesentlichen aus dem Verkauf des Geschäftsbetriebs von Buderus Edelstahl sowie der Reorganisation im Geschäftsbereich Automotive Components in Deutschland. Hier wurde bereits der Standort Birkenfeld geschlossen, was 220 Stellen betroffen hatte, und am Standort Dettingen sind über 200 weitere Stellen weggefallen.

Ausblick: Die großen Unsicherheiten bleiben

Gerade die Wirtschaftsbeziehungen der USA zu ihren globalen Handelspartnern führten zu Unsicherheiten. Die Weltwirtschaft musste sich in kurzer Zeit an die veränderten Rahmenbedingungen anpassen. Das geringe Wirtschaftswachstum in Europa wird sich voraussichtlich so fortsetzen.

Dennoch erwarten Wirtschaftsinstitute eine Fortsetzung des Wirtschaftswachstums in Nordamerika auch im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres. In Brasilien wurde die Industrie von hohen Leitzinsen, der US-Zollpolitik und hohen chinesischen Importen gegen Ende des 1. Halbjahres 2025/26 belastet. Im 2. Halbjahr wird es hier keine Entspannung geben. China konnte hingegen seinen Wachstumstrend, insbesondere im industriellen Bereich, fortsetzen.

Vor diesem Hintergrund wird für das 2. Halbjahr 2025/26 eine Fortsetzung der vorherrschenden Trends in den einzelnen Marktsegmenten erwartet:

  • stabiles Niveau in den Segmenten Maschinenbau, Bau und Konsumgüter;
  • Gute Nachfrage aus dem konventionellen Energiesektor im Bereich Pipelinebleche, aber keine wesentlichen Impulse bei den Explorationsaktivitäten;
  • In der Automobilindustrie erwartet man auf Komponentenseite keine wesentliche Erholung, die Nachfrage nach hochqualitativen Stahlblechen sollte auf dem Niveau des 1. Halbjahres bleiben.
  • Positive Entwicklung bei Eisenbahninfrastruktur, Luftfahrt und Lagertechnik setzt sich ungebrochen fort.

Die laufenden Reorganisationsprogramme in den Bereichen Automotive Components und der High Performance Metals Division werden weiter konsequent umgesetzt. Positive Effekte erwarte man gegen Ende des aktuellen Geschäftsjahres. Für die Steel Division wird mit zusätzlichen positiven Impulsen durch die angekündigten EU-Safeguard-Maßnahmen gerechnet. Vor diesem Hintergrund bestätigt der Vorstand der Voestalpine AG die bisherige Prognose und erwartet für das Geschäftsjahr 2025/26 weiterhin ein EBITDA in einer Bandbreite von 1,40 bis 1,55 Mrd. Euro.

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Zukunftsweisende Projekte

Die Voestalpine konnte im 1. Halbjahr 2025/26 wichtige Zukunftsprojekte weiter vorantreiben. Im September 2025 erfolgte am Voestalpine-Standort Linz der Baustart für das österreichweit größte Forschungsprojekt für den Klimaschutz „Hy4Smelt“. Die Inbetriebnahme der weltweit ersten industriellen Demonstrationsanlage, die zwei innovative Prozesse – eine wasserstoffbasierte Direktreduktion für ultrafeine Eisenerze und einen elektrischen Schmelzprozess – verbinden kann, ist bis Ende 2027 geplant.

Am Voestalpine-Standort in Indiana, USA, wurde die Produktionshalle für die Fertigung von Lkw-Längsträgern fertiggestellt, der Produktionsstart ist für Juli 2026 geplant. Im Bereich Hochregallager hat die Voestalpine den bisher größten Auftrag in der Konzerngeschichte an Land gezogen. Ab Ende 2025 realisiert der Konzern in der Türkei ein Großprojekt für einen renommierten Logistikdienstleister. Ein Meilenstein für den Bereich Railway Systems ist die Eröffnung der Koralmbahn im Dezember 2025, die gemeinsam mit dem Koralmtunnel – dem weltweit sechstlängsten Eisenbahntunnel – ein Role Model für weitere Bahninfrastrukturprojekte darstellt.

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