Freihandel Mercosur-Abkommen kann negative Effekte der US-Zollpolitik abfedern

Quelle: Pressemitteilung Wirtschaftskammer Österreich, Ifo Institut 3 min Lesedauer

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Einer Studie des Ifo Instituts zeigt, wie neue EU-Handelsabkommen die verringerten Exporte in die USA kompensieren können. Auch die exportorientierte Industrie in Österreich profitiert von solchen Abkommen und sieht Wachstumschancen.

Zusätzliche Handelsabkommen, wie das mit den Mercosur-Staaten, würden laut Ifo Institut die Verluste der deutschen Industrie durch die US-Zölle sogar überkompensieren.(Bild:  Pixabay/wasi1370)
Zusätzliche Handelsabkommen, wie das mit den Mercosur-Staaten, würden laut Ifo Institut die Verluste der deutschen Industrie durch die US-Zölle sogar überkompensieren.
(Bild: Pixabay/wasi1370)

Die österreichische Industrie begrüßt die Unterzeichnung des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay – obwohl aufgrund eines Parlamentsbeschlusses dagegen gestimmt wurde. Für Sigi Menz, Obmann der Bundessparte Industrie der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), ist das Abkommen „ein starkes Lebenszeichen für regelbasierten Freihandel ‒ und eine klare Absage an den zunehmenden Protektionismus“. Denn eine Abschottungspolitik im Handel schade einer exportorientierten Wirtschaft wie Österreich besonders.

Faire Handelsabkommen mit stabilen Partnerregionen sind laut WKÖ-Präsidentin Martha Schultz ein zentraler Pfeiler für Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung in Europa sowie in exportorientierten Ländern wie Österreich. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist das Abkommen von besonderer Bedeutung, wie Schultz erklärt: „KMU sind das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft. Sie profitieren von klaren Regeln im internationalen Handel, dem Abbau von Zöllen und Bürokratie sowie besseren Marktzugangsbedingungen“.

Laut Analysen des International Trade Center (ITC) beträgt das zusätzlich nutzbare Exportpotenzial in den Mercosur-Ländern mehr als eine Milliarde Euro für Österreichs Exportwirtschaft. „Die Unterzeichnung des EU-Mercosur-Abkommens ist ein bedeutender Schritt in die richtige Richtung. In einer Zeit geopolitischer Verwerfungen, zunehmender Zollkonflikte und wachsender Unsicherheit auf den Weltmärkten kann sich Europa kein Zögern mehr leisten", betont WKÖ-Präsidentin Martha Schultz anlässlich der Unterzeichnung des Abkommens in Paraguay.

Das Potenzial für österreichische Unternehmen

Für das Exportland Österreich eröffnet das EU-Mercosur-Abkommen neue Chancen und erleichtert den Zugang zu Märkten mit mehr als 270 Millionen Menschen in Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay.

  • Exportschlager: Pharmaprodukte, Maschinen, Elektrogeräte, Agrar- und Lebensmittelerzeugnissen, Dienstleistungen in den Bereichen Umwelt, Telekommunikation oder Beförderung.
  • Heimische Zulieferbetriebe profitieren: sie exportieren Teil- und Zwischenprodukte in EU-Länder, von wo aus Endprodukte in den Mercosur-Raum geliefert werden.
  • Exporte Österreichischer Unternehmen in die Mercosur-Länder: In den letzten zehn Jahren (2014-2024) steigerten heimische Unternehmen ihre Ausfuhren in die vier südamerikanischen Staaten um 47,4 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro. Ein zusätzlich nutzbares Exportpotenzial in diesen Ländern liegt bei mehr als einer Milliarde Euro.

Wachstumschancen für viele Industriebranchen

Das Mercosur-Abkommen schaffe Wachstumschancen für zahlreiche Industriebranchen. Laut Menz werden die wirtschaftlichen Vorteile durch den Abbau von Handelshemmnissen, eine bessere Rohstoffversorgung und diversifizierte Lieferketten oft unterschätzt. „Mercosur stellt unter anderem deshalb eine große Chance für die exportorientierte österreichische Industrie dar, weil es nicht nur einen größeren Absatzmarkt bedeutet. Er bildet auch die Basis für langfristige Rohstoffpartnerschaften, was einen besseren Zugang zu Lithium, Kupfer oder Niob bedeutet. Mit Blick auf die Klimaziele und die Transformation der Industrie ist das von maßgeblicher Bedeutung", ruft Bundesspartenobmann Menz in Erinnerung.

Die EU ist die erste Region, die ein solches Abkommen mit den Mercosur-Staaten abschließt. Das sieht Menz als großer Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern.

Handelsabkommen kompensieren Einbußen der US-Zollpolitik

Eine Studie des Ifo Instituts im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hat ergeben, dass neue Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten (Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay), aber auch Indien, Malaysia, Indonesien, Thailand, Australien sowie die Vereinigten Arabischen Emirate (die sog. „P7“) die negativen Effekte der US-Zollpolitik zumindest für Deutschland nicht nur ausgleichen, sondern sogar überkompensieren würden.

Neue Chancen für die exportorientierte österreichische Industrie.(Bild:  Statistik Austria/ITC Export Potential Map)
Neue Chancen für die exportorientierte österreichische Industrie.
(Bild: Statistik Austria/ITC Export Potential Map)

Die Unterzeichnung des Handelsabkommens zwischen der EU und den Mercosur-Staaten ist laut Ifo Institut ein wichtiger erster Schritt. Es sind aber zusätzliche Handelsabkommen mit weiteren Handelspartnern nötig, um die negativen Folgen der US-Zollpolitik zu kompensieren – darin sind sich die Forscher sowie das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) einig. Lisandra Flach, Leiterin des Ifo Zentrums für Außenwirtschaft fordert: „Die EU sollte sich darauf konzentrieren, auch in den derzeit laufenden Freihandelsverhandlungen zügig zu Ergebnissen zu kommen. Das Handelsabkommen mit Indonesien liegt beispielsweise bereits ausgehandelt auf dem Tisch.“

Auch für Österreich würden sich hier Chancen eröffnen: Die WKÖ sieht neben den Mercosur-Ländern großes zusätzliches Exportpotenzial unter anderem in Südostasien & Ozeanien, Indien und der Golfregion – man würde also ebenfalls von Handelsabkommen mit den P7-Staaten profitieren.

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