Künstliche Intelligenz als Entlastung Kollege KI: Warum in den Werkhallen keine Panik herrscht

Quelle: Pressemitteilung Universität Augsburg 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Chatbots, selbstlernende Roboter, automatische Übersetzungen: KI ist in der Produktion angekommen. Doch wie verändert sie Arbeit und Betriebskultur? Ein Augsburger Geisteswissenschaftler hat Beschäftigte in vier Unternehmen befragt und festgestellt: Statt Jobangst dominiert Pragmatismus.

Beschäftigte in Werkhallen sehen KI eher als Entlastung, denn als Bedrohung: Dr. Sebastian Rosengrün präsentiert seine Ergebnisse den beteiligten Unternehmen.(Bild:  Centre for Future Production)
Beschäftigte in Werkhallen sehen KI eher als Entlastung, denn als Bedrohung: Dr. Sebastian Rosengrün präsentiert seine Ergebnisse den beteiligten Unternehmen.
(Bild: Centre for Future Production)

Wenn eine Maschine streikt, wälzt der Mitarbeitende heute keine Handbücher mehr. Statt dessen liefert ein Chatbot die Anleitung in Sekunden und übersetzt sie direkt in die jeweilige Muttersprache. Ob durch digitale Helfer, selbstlernende Roboter oder Bildverarbeitung in der Qualitätssicherung: KI ist längst Bestandteil der modernen Produktion. Damit steigen nicht nur Effizienz und Flexibilität, sondern es verändern sich auch Arbeitsbedingungen und soziale Dynamiken im Unternehmen.

Der Geisteswissenschaftler Dr. Sebastian Rosengrün hat in vier Unternehmen „hineingehorcht“ und 27 qualitative Experteninterviews geführt – vom Arbeiter in der Halle bis zum Management. Er untersucht, wie KI Arbeitsbedingungen, Rollen, Verantwortung und die Betriebskultur verändert. Im Fokus stehen also nicht die Technologien, sondern die Menschen mit ihren Wahrnehmungen, Sorgen und Erwartungen. Es geht darum, die ethischen Vor- und Nachteile von Anfang an in die Prozesse einzubeziehen.

Mitarbeiter wissen: KI ist wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit

Die oft prophezeite Panik, dass der eigene Arbeitsplatz durch KI ersetzt wird, war für Rosengrün in den Werkshallen des Raumfahrtzulieferer MT Aerospace in Augsburg, des Metallverarbeiters Otto Lehmann GmbH aus Neutraubling, des Leuchtstoffhersteller Osram sowie des Industriefilter- und Kunststoffprofile-Herstellers BWF Offingen kaum spürbar. „Die meisten Beschäftigten gehen sehr pragmatisch mit dem Thema um“, berichtet der Wissenschaftler. Den Mitarbeitenden sei bewußt, dass KI wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit ist. Teilweise äußerten sie sogar Stolz, wenn der Arbeitgeber KI nutzt. „Dass sich die Arbeit in der Produktion langfristig stark verändern wird, ist den Leuten klar. Gegenwärtig aber nehmen sie neue Technologie als Unterstützung und Entlastung wahr.“

Wofür und wie stark KI eingesetzt wird, ist in den befragten Unternehmen unterschiedlich. Text- und Chatbots sind bereits weit verbreitet für Recherche, Berichte, Präsentationen, Meeting-Zusammenfassungen oder Übersetzungen. Letzteres wird als große Unterstützung für die Integration ausländischer Fachkräfte wahrgenommen: Dokumente, Anleitungen und E-Mails lassen sich schnell und unkompliziert in die jeweilige Muttersprache übertragen.

KI verändert die Arbeitskultur und Verantwortungsgefühl

Rosengrün berichtet, dass KI Besprechungen zusammenfasst und To-dos auflistet. Das spare Zeit, verändere aber die Dynamik. Ein Interviewpartner beschreibt: „Man verlässt sich auf die Zusammenfassung – und spricht weniger miteinander, was eigentlich beschlossen wurde.“ Die Aufgaben stehen zwar sauber im Protokoll, aber die Verbindung dazu fehlt, es gibt weniger gemeinsames Nachdenken und gemeinsames Verantwortungsgefühl.

Der Verlust von eigenständigem Denken wird beispielsweise auch bei Auszubildenden registriert, die weniger selbst recherchieren. Dass KI nicht immer richtig liegt und Fehlinformationen möglich sein können, wird ebenfalls kritisch gesehen. In letzter Konsequenz bewegt die Beschäftigten dabei die Frage: „Wer ist verantwortlich, wenn die KI nicht richtig funktioniert?“

Empfehlungen für die Einführung von KI

Eine Befürchtung der Mitarbeiter sei, dass Algorithmen zur heimlichen Leistungsüberwachung missbraucht werden könnten. Deshalb rät Rosengrün, den Betriebsrat von Anfang an mit einzubinden. Denn wo Transparenz herrscht, schwindet das Misstrauen.

Der Forscher warnt allerdings vor blindem Technikeifer. Wer KI einführt, braucht nicht nur saubere Daten, sondern vor allem funktionierende Abläufe. „Einen schlechten Prozess zu digitalisieren, macht ihn nicht besser“, lautet sein trockenes Resümee. Die beteiligten Betriebe zeigen gute Ansätze. Sie etablieren „AI-Heros“, also Expertinnen und Experten in den Teams, die als greifbare Ansprechpartner dienen, oder bieten wöchentliche KI-Sprechstunden an.

Das Projekt wurde im Rahmen des Centre for Future Production (CFP) und des KI-Produktionsnetzwerks an der Universität Augsburg durchgeführt. Das CFP unterstützt produzierende Unternehmen dabei, moderne Technologien und Künstliche Intelligenz in der Praxis umzusetzen.

(ID:50745071)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung