Kostengünstige Unterstützung Igus macht humanoide Roboter zum Alltags-Werkzeug

Von Christoph Föttinger * 6 min Lesedauer

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Sie könnten zu universellen Helfern in den Fabriken von morgen avancieren: humanoide Roboter. Doch es gibt hohe Einstiegshürden, denn viele Modelle sind zu kompliziert und zu teuer. Hier setzt Igus an mit seiner Low-Cost-Automation-Expertise an und präsentiert seinen ersten humanoiden Roboter.Der „Iggy Rob“ ist nicht nur günstig, sondern auch schnell einsatzbereit – dank der mobilen Plattform Rebel Move.

Der Iggy Rob, Igus' erster humanoider Roboter, ist schnell einsatzbereit und sorgt aufgrund seines Kaufpreises für einen schnellen ROI.(Bild:  Igus)
Der Iggy Rob, Igus' erster humanoider Roboter, ist schnell einsatzbereit und sorgt aufgrund seines Kaufpreises für einen schnellen ROI.
(Bild: Igus)

Sie sind echte Arbeitstiere: Roboter gehen unermüdlich vielfältigsten Aufgaben nach und sind aus der Industrie längst nicht mehr wegzudenken. Dabei können sie vor allem eines richtig gut, nämlich die ihnen zugewiesene Aufgabe schnell und zuverlässig erledigen. Was in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer mehr an Bedeutung gewonnen hat, stößt aber bald an seine Grenzen. Viele Aufgaben in den Fabriken sind nicht vollständig repetitiv, stationäre Roboter bleiben oft Insellösungen und fahren dann keinen schnellen Return of Investment ein.

So ist es nicht verwunderlich, dass international auf humanoiden Robotern große Hoffnungen ruhen. Aus dem Silicon Valley vernimmt man Stimmen, dass es im Jahr 2040 mehr humanoide Roboter als Menschen auf der Erde geben könnte. Selbst konservativere Schätzungen wie die der Unternehmensberatung Horváth prognostizieren ein deutliches Wachstum ab dem Jahr 2025. Der oft zur Rate gezogene Gardner Hype Cycle erwartet in Kürze starke Umwälzungen für die Lieferketten. Vor allem die Automobilindustrie geht derzeit mit einigen Projekten voran – dort übernehmen humanoide Roboter häufig die Transporttätigkeiten von schweren Bauteilen.

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Für einen Einsatz in Serie sind die menschenähnlichen Helfer aber meist noch nicht bereit. Selbst Gardner erwartet die dauerhafte Etablierung am Markt erst in rund zehn Jahren. Die Gründe dafür sind vielfältig – einer davon ist der Preis: Humanoide Roboter sind sehr teuer, sie liegen in der Industrie oft bei 80.000 Euro und mehr. Die Horváth-Studie schätzt allerdings, dass die Systeme im Preis bald auf rund 48.000 Euro sinken könnten. Dass sie damit richtig liegt, beweist der Iggy Rob von Igus, der mit einem Preis von 47.999 Euro als Low-Cost-Lösung eine Vielzahl an Aufgaben in Industrie und Gesellschaft wahrnehmen kann.

Bewegung fast ohne Einschränkungen

Humanoide Roboter zeichnen sich vor allem durch ihre Mobilität aus, sie können sich von einem Bereich der Fabrik zum anderen bewegen. Sind die Systeme mit Beinen ausgestattet, dann sind selbst Treppenstufen kein Problem. Mit ihren Armen nehmen sie Greifaufgaben im gesamten Produktionsprozess wahr und wissen dank künstlicher Intelligenz genau, was zu tun ist. Der Iggy Rob von Igus kann Bauteile transportieren, als Serviceroboter am Empfang arbeiten oder in der Kantine das Geschirr zum Abwasch bringen. Dabei grüßt er seine Kolleginnen und Kollegen stets mit einem Lächeln auf dem virtuellen Gesicht.

Die Zeit ist inzwischen reif für humanoide Roboter.

Alexander Mühlens

Dass es ausgerechnet dem Kunststoffspezialisten Igus nun gelungen ist, in vergleichsweise kurzer Zeit einen eigenen und funktionsfähigen humanoiden Roboter zu entwickeln, kommt nicht von ungefähr. „Wir beschäftigen uns schon seit 2014 mit humanoider Robotik“, sagt Alexander Mühlens, Leiter des Geschäftsbereichs Low-Cost-Automation bei Igus. Längst etabliert hat sich der Cobot Rebel, der inzwischen in vielen industriellen Anwendungen zum Einsatz kommt. Pro Woche verlassen bis zu 40 neue Cobots die Igus-Werke, der Roboterarm ist weltweit gefragt. Auch um die Bedeutung von autonomen mobilen Robotern (AMR) weiß man am Firmensitz in Köln. Der Rebel Move automatisiert Logistikprozesse, er bewegt Lasten von bis zu 50 Kilogramm. Auf der Robotikplattform RBTX.com finden Unternehmen ihre Automatisierungslösung in einem Portfolio von verschiedenen Herstellern, von der Pick-and-Place-Anwendung bis hin zur Schleifmaschine. Da war es der nächste logische Schritt, sich auch an einen humanoiden Roboter zu wagen. „Die Zeit dafür ist inzwischen reif“, erklärt Mühlens. Man verspüre seit Ende 2024 ein stark steigendes Interesse der Kunden.

Objekte erkennen für reibungslose Navigation

Der Iggy Rob ist etwa 1,70 Meter groß und ausgestattet mit fast allem, was man von einem humanoiden Roboter erwarten darf. Im Kopf befindet sich das Display samt Gesichtszügen. Lidar-Sensoren und 3D-Kameras im Brustbereich und im Fahrzeug dienen zur Objektdetektion, damit der Iggy Rob stets problemlos durch Fabrik, Lobby oder Kantine navigieren kann.

Bei den beiden Armen hat sich Igus für eine bewährte Technologie aus dem eigenen Haus entschieden: Mit zwei Rebel-Cobot-Armen und bionischen Händen greift der Roboter wie ein Mensch. Die Rebel-Arme sorgen aufgrund ihrer sechs Achsen für Beweglichkeit bei einer Gesamtreichweite von 664 Millimetern. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 45 Grad pro Sekunde sind die Rebels flink unterwegs, jeder Arm kann zwei Kilogramm Gewicht transportieren.

Auf der RBTX-Plattform erhältlich

Unter den „Lösungen“ sind auf der RBTX-Plattform die humanoiden Roboter und somit auch der Iggy Rob zu finden. Die Lieferzeit beträgt etwa zwei bis drei Monate. Er ist mit den Cobot-Armen, zwei bionischen Händen sowie einem Lidar-Sensor und 3D-Kameras ausgestattet. Wer Unterstützung benötigt kann über die Plattform direkt einen Termin mit einem Experten buchen, um die passenden Komponenten für die eigene Anwendung auszuwählen.

Anders als viele Hersteller hat sich Igus beim Iggy Rob allerdings gegen Beine entschieden – das hat praktische Gründe. Für die Bewegung haben die Roboter-Experten auf den automobilen mobilen Roboter (AMR) Rebel Move gesetzt. Mit einer Traglast von 50 Kilogramm und 100 Kilogramm Zuladung bewegt sich der Roboter flexibel durch die Fabrikhallen. Aufgrund einer Dreipunktlagerung ist die mobile Plattform äußerst stabil. Hinzu kommt, dass viele Fabrikumgebungen aktuell bereits für die Infrastruktur von AMR ausgestattet sind oder werden. Mit einer Akkuladung geht der Iggy Rob bis zu acht Stunden lang ohne Unterbrechung seiner Arbeit nach.

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Intuitive Roboterprogrammierung und -steuerung mit eigener Software

Die Kölner liefern den Roboter mit der hauseigenen Igus-Robot-Control-Software aus, die eine einfache und intuitive Roboterprogrammierung und -steuerung erlaubt. Dank eines modularen Aufbaus steuern Unternehmen damit verschiedene Roboterkinematiken. Neben Delta-, Portal- und Mehrachsgelenk-Robotern zählt nun auch der Iggy Rob dazu. Anwenderinnen und Anwender simulieren mit der Software die einzelnen Bewegungen des Roboters auf einer 3D-Oberfläche, der Iggy Rob muss dazu gar nicht angeschlossen sein. Über die eigens entwickelte ROS2-Schnittstelle des AMR ist der humanoide Helfer problemlos in moderne Roboterumgebungen integrierbar. Gemäß der Schnittstelle VDE 5050 ist der Iggy Rob für das Flottenmanagement zugelassen und besitzt eine CE-Zertifizierung.

Großes Potenzial für die Zukunft

Das Igus Team ist überzeugt davon, dass die Einsatzmöglichkeiten für humanoide Roboter wie den Iggy Rob deutlich steigen dürften. „Die Roboter können sich künftig viel besser durch die für den Menschen geschaffene Welt bewegen“, prognostiziert Alexander Mühlens. Er geht davon aus, dass humanoide Roboter etwa in der Metallverarbeitung oder entlang der Supply Chain zum Einsatz kommen. Auch bei Igus selbst ist der Iggy Rob bereits fest eingeplant – die Kunststoffspezialisten möchten ihn beim Einlegen von Bauteilen in die eigenen Spritzgussmaschinen nutzen. Alexander Mühlens schätzt, dass zuerst Unternehmen aus dem Maschinenbau im großen Stil zu den neuartigen Robotern greifen werden.

Testphase noch vor dem Kauf

Humanoide Roboter wie der Iggy Rob sind für viele Unternehmen noch Neuland – dessen ist sich auch Igus bewusst. Deshalb geht das Unternehmen einen besonderen Weg: Die Weiterentwicklung des Roboters läuft in Zusammenarbeit mit den Kunden. Vor dem Kauf bietet der Hersteller ein „Test-before-Invest“-Programm an. Dann analysiert das Igus Roboter-Team die Einsatzpotenziale beim Kunden vor Ort, ohne dass zwingend ein Kaufvertrag zustande kommen muss. Ist das Urteil positiv, dann steht einer Anschaffung nichts mehr im Wege. Der Trend ist klar: Humanoide Robotik wird deutlich an Bedeutung gewinnen – und der Iggy Rob ist aufgrund seines im Marktvergleich niedrigen Kaufpreises der passende Einstieg dafür.

* Christoph Föttinger ist Geschäftsleiter Drytech Lagertechnik bei der Igus Polymer Innovationen GmbH in Lenzing

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