Mehr rostig als rosig

Die Lage für die Zulieferer bleibt angespannt

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Spürbare Deindustrialisierung im deutschen Autobau

Für die mittelständischen Automobilzulieferer ist der Produktionsstandort Deutschland noch wichtiger als für die großen Abnehmer. Doch die Automobilproduktion hierzulande ist seit Jahren rückläufig. Von einst (2012) 5,6 Millionen Pkw und Kleintransportern laufen nun allenfalls 4 Millionen Einheiten vom Band. Im ersten Quartal 2024 sind nur knapp eine Million Pkw in Deutschland gebaut worden. Gleichzeitig steige die Produktion deutscher Autokonzerne im Ausland auf inzwischen über 10 Millionen Fahrzeuge an. Diese schleichende Deindustrialisierung im Automobilsektor führe speziell bei den kleineren Zulieferern zu sinkenden Abrufzahlen, weil im Ausland zunehmend lokal zugekauft werde und nicht jeder Zulieferer mit ins Ausland gehen könne.

Kosten in Deutschland plagen die hiesigen Zulieferer

In diesem Szenario einer abnehmenden Nachfrage kämpfen viele Zulieferer weiterhin mit im internationalen Vergleich zu hohen Kosten. Auch wenn die Inflationsrate selbst sinke, seien die inflationsbedingten Kostenersteigerungen aus der Vergangenheit noch vorhanden. Die Arbeitskosten sind im internationalen Vergleich sehr hoch, auch weil die Anstiege der letzten Jahre nicht durch Produktivitätssteigerungen kompensiert werden konnten, erklärt die Argez. Hinzu komme, dass Mitarbeiter häufiger krankheitsbedingt ausfielen oder noch vor dem eigentlichen Renteneintrittsalter in den Ruhestand gingen. Ersatz ist aus bekannten Gründen schwer zu finden. Außerdem ist das Problem der hohen Energiepreise nicht gelöst. Die Absenkung der Börsenpreise für Strom und Gas sowie die in Aussicht gestellte Absenkung der Stromsteuer täuschten über das Problem hinweg. Das Preisniveau beim Strom und Gas inklusive Netzentgelten und sonstigen Abgaben beträgt nach Wissen der Argez immer noch das Doppelte bis Dreifache im Vergleich zu China, Frankreich und den USA.

Hoher Energiepreiswind schlägt Spitze der Lieferkette ins Gesicht

Es darf auch nicht übersehen werden, dass die Netzentgelte zum Jahreswechsel deutlich gestiegen sind, nachdem der Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten gestrichen wurde. Die weiterhin hohen Energiepreise treffen energieintensive Betriebe, die am Anfang der automobilen Lieferkette stehen, mit voller Wucht. Die industriellen Wärmeprozesse bei der Herstellung und Bearbeitung von diversen Zulieferteilen (beispielsweise aus Metall, Kunststoff, Kautschuk oder Textilien) benötigen aber viel Energie. Das gilt auch für Gas und andere fossile Energieträger, solange Alternativen wie Wasserstoff gar nicht verfügbar sind. Wenn diese Kosten am Markt nicht weitergegeben werden können, schmelzen Liquidität und Eigenkapital alsbald dahin. Fairness und Partnerschaft in der Lieferkette seien deshalb nötiger denn je. In diesem Umfeld, in dem Kosten weiter steigen, hat der Gesetzgeber leider immer noch keine Antworten auf dramatisch anwachsende Wettbewerbsnachteile gefunden.

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