Geschmiedeter Artefakt Die Himmelsscheibe von Nebra wurde nicht gegossen!

Quelle: LDA Sachsen-Anhalt 2 min Lesedauer

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Die mehr als 3.600 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra ist ein Fund von Weltrang und seit 2013 Bestandteil des Unesco-„Memory of the World“. Endlich weiß man auch, wie sie angefertigt wurde ...

Die Himmelsscheibe von Nebra birgt viele Geheimnisse. Jetzt haben Forscher und Spezialisten mit neuesten Methoden den Artefakt erneut untersucht. Auch ein Kupferschmied stand zur Seite. Die Erkennisse offenbaren das Geschick der Handwerker aus der frühen Bronzezeit ...(Bild:  LDA / J. Lipták)
Die Himmelsscheibe von Nebra birgt viele Geheimnisse. Jetzt haben Forscher und Spezialisten mit neuesten Methoden den Artefakt erneut untersucht. Auch ein Kupferschmied stand zur Seite. Die Erkennisse offenbaren das Geschick der Handwerker aus der frühen Bronzezeit ...
(Bild: LDA / J. Lipták)

Die uralte Himmelsscheibe von Nebra ist nicht nur ein Fund von Weltrang, denn sie kann auch als eines der am besten erforschten archäologischen Objekte überhaupt angesehen werden, wie das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt - Landesmuseum für Vorgeschichte sagt. So war sie seit ihrer polizeilichen Sicherstellung und Rückführung vor 22 Jahren nach Sachsen-Anhalt Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Untersuchungen, die in den vergangenen Jahren wichtige Erkenntnisse geliefert haben – beispielsweise zu den Rohstoffen oder zur ursprünglichen Farbigkeit der Himmelsscheibe. Noch nicht restlos geklärt war bisher allerdings die Frage nach der Herstellungstechnik der Himmelsscheibe. Aufgrund der Materialzusammensetzung und früherer Untersuchungen war immherin bekannt, dass die Scheibe in ihrer endgültigen Größe nicht einfach gegossen worden sein kann. Und trotz ihrer auf den ersten Blick scheinenden Einfachheit sei auch das Schmieden einer Bronzescheibe von etwa 31 Zentimetern Durchmesser und wenigen Millimetern Stärke nicht so leicht gewesen. Neue metallografische Untersuchungen bringen jedoch mehr Licht ins Dunkel der Herstellungsgeschichte.

Forscher und Kupferschmied enthüllen das Geheimnis

Die Forschungen des LDA Sachsen-Anhalt fanden in Kooperation mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Lehrstuhl für Metallische Werkstoffe Deltasigma Analytics GmbH aus Magdeburg, statt. Eine kleine Probe aus dem äußeren Bereich der Himmelsscheibe, die im Jahr 2002 erstmals für verschiedene archäometallurgische Forschungen entnommen und zwischenzeitlich wieder eingesetzt worden war, wurde dabei erneut entnommen und untersucht. Außer Mikrostrukturanalysen an farbgeätzten Oberflächen mit dem Lichtmikroskop kamen mit Energiedispersiver Röntgenspektroskopie und Electron backscatter diffraction (Elektronenrückstreubeugung) modernste bildgebende Verfahren hinzu, wie es weiter heißt. Zusätzlich wurden Härtemessungen vorgenommen, die durch parallele experimentelle Versuche begleitet wurden, bei denen der erfahrene Kupferschmied Herbert Bauer aus Halle an der Saale, eine Replik aus einem gegossenen Rohling anfertigte. Die metallografischen Analysen zeigten schließlich, dass die Himmelsscheibe in einem aufwendigen Warmschmiedeprozess hergestellt wurde. Bis sie ihre endgültigen Ausmaße erreichte, waren ungefähr zehn Schmiedezyklen notwendig. Dabei wurde der Rohling jeweils bis auf circa 700 °C aufgewärmt, ausgeschmiedet und dann geglüht, um das Metallgefüge wieder zu entspannen. Außerdem offenbarte sich, dass der gegossene Rohling des Originals etwas größer und dünner als derjenige gewesen sein muss, der für die Replik verwendet wurde. Deshalb musste Bauer für die Herstellung der Kopie deutlich mehr Schmiedezyklen ausführen als es bei der originalen Himmelsscheibe der Fall war.

Der Kupferschmied Herbert Bauer formt eine Replik der Himmelsscheibe von Nebra, um hinter das Herstellungsgeheimnis zu kommen und die Forscher bei ihren Untersuchungen zu unterstützen respektive deren Annahmen zu Herstellung zu bestätigen.(Bild:  LDA / J. Lipták)
Der Kupferschmied Herbert Bauer formt eine Replik der Himmelsscheibe von Nebra, um hinter das Herstellungsgeheimnis zu kommen und die Forscher bei ihren Untersuchungen zu unterstützen respektive deren Annahmen zu Herstellung zu bestätigen.
(Bild: LDA / J. Lipták)

Lieber immer wieder näher hinschauen ...

Die neuesten Untersuchungsergebnisse verdeutlichen demnach, dass die frühbronzezeitlichen Handwerker nicht nur herausragende Gießer waren, sondern auch die Weiterverarbeitung von Bronzeartefakten – zum Beispiel durch Warmschmieden – auf höchstem Niveau beherrschten. Mit ihren umfangreichen Erfahrungen und Kenntnissen waren sie nämlich nicht nur in der Lage, beispielsweise zahlreiche Beile in einer Art Serienproduktion zu fertigen, sondern auch ein aus heutiger Sicht einzigartiges Werkstück, wie die Himmelsscheibe von Nebra. Zudem sei die Himmelsscheibe damit ein eindrücklicher Beleg dafür, wie wichtig es für den Erkenntnisfortschritt sei, auch bekannte und vermeintlich ausgeforschte Funde einer erneuten Untersuchung zu unterziehen, wenn neue Methoden zur Verfügung stünden.

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