Milliarden-Sparkurs Autozulieferer ZF schnallt den Gürtel eng

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Der hoch verschuldete Autozulieferer ZF will zur Steigerung seiner Wettbewerbsfähigkeit einen Gang zulegen und den Rotstift ansetzen, so die dpa.

Der Automobilzulieferer ZF aus Friedrichshafen verordnet sich einen strikten Sparkurs um aus der Bredouille zu kommen, wie jetzt bekannt wurde. Dabei denkt man auch an den Verkauf des Sicherheitssektors, in dem etwa Sicherheitsgurte und Airbags gefertigt werden.(Bild:  ZF)
Der Automobilzulieferer ZF aus Friedrichshafen verordnet sich einen strikten Sparkurs um aus der Bredouille zu kommen, wie jetzt bekannt wurde. Dabei denkt man auch an den Verkauf des Sicherheitssektors, in dem etwa Sicherheitsgurte und Airbags gefertigt werden.
(Bild: ZF)

In diesem und im kommenden Jahr sollen die Kosten bei ZF weltweit um etwa 6 Milliarden Euro gesenkt werden, wie ein Sprecher des Konzerns aus Friedrichshafen mitteilte. Mit den verringerten Kosten will sich ZF besser positionieren können, um die weitere Transformation zur E-Mobilität ab 2026 anzugehen, heißt es weiter. Zuvor hatten die Automobilwoche und der Südkurier darüber berichtet. Der Zulieferer am Bodensee hat den Angaben nach fünf Kernbereiche identifiziert, in denen gespart werden soll. Demnach will man im Materialeinkauf Preiseffekte erzielen, die Produktivität der Werke steigern, Forschungs- und Entwicklungskosten verbessern, die Kostenstruktur in Zentralbereichen verbessern und die Ausgaben für Investitionen genauer prüfen. Der Betriebsrat will die Sparpläne zunächst prüfen und hat bisher keinen Kommentar abgeben, teilte ein Sprecher des Gesamtbetriebsrats mit.

Das kommende Jahr wird hart für ZF

Nach Angaben von ZF-Chef Holger Klein hat das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr begonnen, die Kosten zu senken. Er bringt es auf den Punkt: „Wir fliegen im Moment alle Economy inklusive meiner selbst.“ Erste Resultate dieser Anstrengungen zeigen sich Klein zufolge in den Geschäftszahlen für 2023. Der Manager erwartet einen Umsatz von gut 46 Milliarden Euro und damit etwa 9 Prozent mehr als 2022. Auch bei der bereinigten operativen Rendite bewege man sich im oberen Bereich des angepeilten Korridors, der 4,7 bis 5,2 Prozent betrage. Dennoch rechne Klein mit einem sehr harten Jahr 2024. Er erwarte etwa deutlich rückläufige Auftragszahlen. Die Programme sollen deshalb künftig auch die Ergebnisse absichern. Die kompletten Zahlen für das vergangene Jahr und einen Ausblick stelle der Zulieferer am 21. März vor.

Die Wende zur E-Moblität ist zu meistern

Der Hauptgrund für die Sparmaßnahmen seien die hohen Schulden des Konzerns. Denn zum Halbjahr 2023 stand ZF mit gut 11 Milliarden Euro in der Kreide. Das liegt vor allem am Erwerb des Autozulieferers TRW und des Bremsenspezialisten Wabco, heißt es dazu. Der Konzern bezahlt deshalb aktuell Hunderte von Millionen Euro an Zinsen, die dann zum Beispiel in den Bereichen Forschung und Entwicklung fehlen. Zugleich müsse der Zulieferer, der mehrheitlich der Zeppelin-Stiftung der Stadt Friedrichshafen gehört, in den kommenden Jahren Milliarden investieren, um den Wandel zur E-Mobilität meistern zu können.

ZF-Sicherheitssparte wird verkauft

Aus denselben Gründen konkretisierte Klein auch den Zeitplan für den Verkauf der Sicherheitstechniksparte: „Mitte des Jahres wären wir so weit für einen Investor oder für einen Börsengang.“ Der Zulieferer hatte bereits im Herbst 2022 angekündigt, die Division „Passive Sicherheitstechnik“, die vor allem Sicherheitsgurte und Airbags fertigt, aus den Strukturen des Konzerns herauslösen und im Zuge dessen zu verkaufen. Einen konkreten Zeitpunkt für den Verkauf ließ Klein aber offen. Nach seinem Bekunden will man den Sektor nicht auf Biegen und Brechen loswerden. Wenn ZF operativ so gut sei, um mit seinen Schulden umzugehen und diese auch zu reduzieren, dann habe man in diesem Punkt keinen Druck. Es sei aber die präferierte Lösung. Deshalb sei man in Gesprächen und beobachte den Kapitalmarkt.

Die Sicherheitsdivision machte 2022 rund ein Zehntel des ZF-Umsatzes aus. Rund 20 Prozent der fast 165.000 Beschäftigten waren 2022 in dem Bereich in Lohn und Brot. In Deutschland gibt es vier Standorte: Alfdorf, Aschaffenburg, Aschau und Laage. Zuletzt hatten Arbeitnehmervertreter aber schon vor einem großen Stellenabbau bei dem Zulieferer gewarnt.

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